Hof Steinacher

Quelle: Kleine Schriften zur Zürcher Denkmalpflege, Heft 2 von Peter Ziegler

Vers.-Nrn. 1597/1598

70a Links: Doppelwohnhaus Vers-Nrn. 1597/1598. Ansicht von Osten, 1999. 70b Rechts: 1843 zum Wohnhaus Vers.-Nr. 1599 umgebaute einstige Scheune.

Lage

Der noch landwirtschaftlich genutzte Hof Steinacher oberhalb der Au liegt westlich der Alten Steinacherstrasse an einem nach Südwesten ansteigenden Hang. Er ist rundum von Wiesen mit Obstbäumen umschlossen; im Nordosten sind neue Quartiere entstanden. Südlich der Liegenschaft befindet sich die Wüstung des ursprünglichen, nach 1804 abgebrochenen Steinacher-Hofes. Das dominierende Wohnhaus ist giebelständig zur Alten Steinacherstrasse orientiert; es wird von zwei traufständig zur Strasse ausgerichteten Vielzweckbauten flankiert.

105 Situationsplan. Massstab 1 : 2 500. Vgl. Text S. 71–72
1 Vers.-Nr. 1596 Sennhütte mit Sodbrunnen, erbaut 1706.
2 Vers.-Nrn. 1597/1598 Doppelwohnhaus, erbaut 1730.
3 Vers.-Nr. 1599 Scheune, erbaut 1814 anstelle einer Vorgängerscheune, Nordteil
zum Wohnhaus umgebaut 1843.
4 Vers.-Nr. 1600 Waschhaus, erbaut 1837.
5 Vers.-Nr. 1601 Schopf, erbaut 1895.

Ziel der Renovation

Die Fassaden und die Wohnstube des Hauses Vers.-Nr. 1597 wurden 1988/89 in Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege restauriert.

Geschichte

Der Bauernhof Steinacher zählt zu den alten Siedlungen in der Au. In den Grundprotokollen findet er sich zwar erst seit 1700 verzeichnet. Da aber im Jahre 1805 auf diesem Grundeigentum drei Gülten (Hypotheken) gelöscht wurden, die 1508, 1511 und 1564 aufgenommen worden waren, darf mit Sicherheit angenommen werden, dass der Hof Steinacher spätestens seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts besteht. Am Ende des 17. Jahrhunderts gehörte das Bauernheimwesen den Familien Hottinger und Eschmann.

1730 erstellten die Eschmann das heutige Doppelwohnhaus Vers.- Nrn. 1597/1598. Ein älteres, hölzernes Gebäude war 1782 im Besitz von Jakob und Johannes Eschmann. Es wurde nach 1804 abgebrochen. Bis 1819 blieb der Hof im alleinigen Eigentum der Eschmann. Dann wurde der Besitz geteilt. Der untere Hausteil Vers.-Nr. 1597 kam an den Schwager Conrad Walti in Enge, 1825 an Johannes und Heinrich Burkli von Obermeilen, 1834 an Caspar Blattmann an der Leigass in Wädenswil, 1838 an Conrad Bar von Hütten, 1867 an David Treuberg von Bern, 1896 an Theophil Leuthold und dann an den Schwiegersohn Gottlieb Treichler-Leuthold von Schönenberg und 1922 an dessen Tochtermann Jakob Albert Hauser-Treichler, Landwirt im Feld Wädenswil. Er ist heute noch im Eigentum der Familie Hauser.

70c Wappen Hottinger über dem Nordeingang des Hauptgebäudes.

Der obere Hausteil Vers.-Nr. 1598 gehörte bis 1853 der Familie Eschmann. Dann ging dieser Besitz an Heinrich und Gottlieb Haab aus dem Burstel über. 1867 wurde Gottlieb Haab-Eschmann Alleineigentümer des oberen halben Hauses, das 1889 an den Sohn Gottlieb Haab-Stocker überging. Seine Nachkommen bewirtschaften den Hof noch heute.

Kunstgeschichtliche Würdigung

Der Hof Steinacher besteht heute aus dem Doppelbauernwohnhaus Vers.-Nrn. 1597/1598 aus dem Jahre 1730, der zum Wohnhaus Vers.-Nr. 1599 umgebauten einstigen Scheune, der ehemaligen Sennhütte Vers.-Nr. 1596 von 1706 und dem Waschhaus Vers.-Nr. 1600.
Das firstgeteilte, zweigeschossige Doppelwohnhaus erhebt sich über einem sichtbaren Kellergeschoss aus Bruchsteinen und trägt ein mit Biberschwanz- und Falzziegeln eingedecktes Sparrendach mit Knick und Giebelgaube in der nördlichen Dachfläche. Dem klaren, kubischen Baukörper sind im westlichen Teil der beiden Trauffassaden Anbauten beigefügt. Sie sind quergestellt, reichen bis zur Dachtraufe und tragen ein Satteldach. Die Hauptfassade des Wohnhauses mit ihren symmetrisch angeordneten Öffnungen ist nach Osten gerichtet. Die Haustüren links und rechts der Mittelachse zeigen fein verziertes Gewande. Über dem südlichen Eingang hat sich im Sturz das Wappen der Familie Eschmann samt Spruchband «In dominum ... nostrum anno 1730» erhalten, über dem nördlichen das Familienwappen Hottinger mit Spruchband «Mordus est hodie mihi, cras tibi 1730». Ab 1812 war unter der Nummer des Wohnhauses auch eine angebaute Trotte versichert, deren Trottwerk 1887 abgetragen wurde, ferner ein Schweinestall und eine Scheune samt Wagenschopf.
Die ehemalige Sennhütte Vers.-Nr. 1596 ist die älteste Baute des Weilers. Das eingeschossige Gebäude weist ein Kellergeschoss aus Bruchsteinmauerwerk auf und ein Erd- und Dachgeschoss aus Fachwerk. Das Satteldach mit Knick, analog dem Dach des Hauptgebäudes, ist mit Biberschwanzziegeln eingedeckt. Ein Sandsteinsturz im Innern trägt die Inschrift «1706 AE». Sie erinnert an die Familie Eschmann (alter: Aeschmann), welche das Gebäude im Jahre 1706 erstellen liess. Ab 1895 diente die ursprüngliche Sennhütte als «Waschhaus, Schopf und Kellergebäude». Im gewölbten Kellerraum ist ein Sodbrunnen mit Sandsteinabdeckung und Teuchel vorhanden. Er wurde im Herbst 1988 dokumentiert.

71a Links: Ehemalige Sennhütte Vers.-Nr. 1596 von 1706. 71b Rechts: Einstiges Waschhaus mit Brennerei Vers.-Nr. 1600.

Das Gebäude Vers.-Nr. 1599 ist ein sekundäres Mehrzweckbauernhaus. Der traufbetonte, langgestreckte Baukörper entstand 1814 – durch Jahreszahl am Türsturz belegt – als Scheune über einem gemauerten Kellergeschoss mit kreuzgewölbtem Keller. 1843 baute man den nördlichen Teil der Scheune zu Wohnzwecken um. Die Fassaden der beiden Wohngeschosse tragen einen Schindelschirm mit Rundschindeln und zeigen über den in Achsen liegenden Fensterpaaren teilweise durchlaufende Wetterschutzdächlein mit Zahnschnittfries. Der auffallend langgestreckte südliche Scheunentrakt mit Einfahrt im strassenseitigen Quergiebelbau und rückseitigen Anbauten enthalt drei Ställe und eine Tenne. Rautenförmiges und diagonales Holzwerk bildet die Lüftungswände. Ein gedeckter geschindelter Durchgang verbindet das Mehrzweckbauernhaus auf der Höhe des Obergeschosses mit dem älteren Hauptbau Vers.-Nr. 1598. Zum Hof Steinacher gehört das ehemalige Waschhaus Vers.-Nr. 1600 mit Brennerei- und Metzglokal. Das Gebäude steht rechtwinklig zum Bauernhaus und schliesst den von einem Ziergarten belebten Vorplatz gegen Süden ab.

Schutz

Der Hof Steinacher ist als Schutzobjekt von regionaler Bedeutung ins überkommunale Inventar aufgenommen worden. Für den Hausteil Vers.-Nr. 1597 besteht seit 1989 eine Personaldienstbarkeit zugunsten des Kantons Zürich.

Literatur

Peter Ziegler, Die Au gestern – heute, Wädenswil 1984, S. 8. – Bestandesaufnahme der kantonalen Denkmalpflege vom März 1982. – StAZ, B XI Wädenswil 16, S. 450/451. – Gottlieb Haab, Beschreibung über die Bewohner im Steinacker aus mündlicher Überlieferung und schriftlichem Nachlass derselben im Juli 1936. Manuskript im Archiv der kantonalen Denkmalpflege.




Peter Ziegler



Bildnachweis

71a Kantonales Hochbauamt, Zürich
71b Peter Ziegler, Wädenswil
71c Kantonales Hochbauamt, Zürich
72 Kantonales Hochbauamt, Zürich
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