Hof Ödischwänd

Quelle: Kleine Schriften zur Zürcher Denkmalpflege, Heft 2 von Peter Ziegler

Vers.-Nrn. 1401, 1400, 1406, 1408, 1402, 1399, 1392/93

29 Hof Ober Ödischwänd von Norden. Rechts das Bauernhaus Vers.-Nr. 1401 aus den 1660er Jahren. Aufnahme vom März 1990.

Lage

Der heute in Obere und Untere Ödischwänd geteilte ehemalige Grosshof liegt auf einstigem Rodungsgebiet im Wädenswilerberg, am Nordosthang des sich hier zum welligen Hochland ausweitenden Zimmerbergs, südwestlich der Unteren Bergstrasse.

94/95 Situationsplan. Massstab 1 : 2 500.
1 Vers.-Nr. alt 356 f Scheune, bestehend 1812, abgebrochen 1862.
2 Vers.-Nr. alt 359 c Schopf, bestehend 1813, abgebrochen 1894.
3 Vers.-Nr. 1387 Scheune, bestehend 1812.
4 Vers.-Nr. 1388 Stallscheune, erbaut 1859 anstelle einer Vorgängerscheune.
5 Vers.-Nrn. 1389/1390 Kellergebäude, erbaut im 18. Jahrhundert. Nordhälfte Nr. 1389, Südhälfte Nr. 1390.
6 Vers.-Nr. 1391 Trottgebäude, erbaut 1827.
7 Vers.-Nrn. 1392/1393 Doppelwohnhaus Unter Ödischwänd, erbaut vermutlich 1722. Nordosthälfte Nr. 1392, Südwesthälfte Nr. 1393.
8 Vers.-Nr. 1394 Kelleranbau.
9 Vers.-Nr. 1395 Waschhaus, neu in die Gebäudeversicherung aufgenommen 1843.
10 Vers.-Nr. 1396 Sennhütte, erbaut 1870.
11 Vers.-Nr. 1397 Feldscheune, erbaut vermutlich 1693.
12 Vers.-Nr. 1398 Waschhaus, erbaut 1750–1751.
13 Vers.-Nr. 1399 Stallscheune.
14 Vers.-Nr. 1400 Wohnhaus, erbaut 1797, Sennhüttenanbau 1843.
15 Vers.-Nr. 1401 Doppelwohnhaus Ober Ödischwänd, erbaut um 1660; Grosslukarne aufgebaut um 1726.
16 Vers.-Nr. 1402 Wohnhaus, erbaut 1843.
17 Vers.-Nr. 1403 Stallscheune, erbaut 1834.
18 Vers.-Nr. 1404 Speicher und Schopf, erbaut im 18. Jahrhundert.
19 Vers.-Nr. 1405 Stallscheune, bestehend 1813, erweitert 1850.
20 Vers.-Nr. 1406 Wohnhaus, erbaut im 18. Jahrhundert.
21 Vers.-Nr. 1407 Wasch- und Trotthaus, erbaut 1817.
22 Vers.-Nr. 1408 Wohnhaus, erbaut 1819, erweitert um 1850.
23 Vers.-Nr. 1409 Stallscheune, bestehend 1812, erweitert 1849.
24 Vers.-Nr. 1410 Waschhaus, erbaut 1846.
25 Vers.-Nr. 1411 Kellergebäude und Schopf, erbaut 1895 (?).

Geschichte

Die spärlichen Quellen aus der Frühzeit des Hofes im 15. Jahrhundert deuten darauf hin, dass die Ödischwänd Teil der alten Rodungsfläche des mittelalterlichen Widumhofes Herrlisberg gewesen ist, der heute den Namen Mittlere Widen trägt. 1450 erhielt Hans Blattmann das Widumgut auf Herrlisberg von den Johannitern zu Lehen. Im Lehenrevers aufgeführt werden unter anderem Furthof, Stocken und die Ödischwänd. 1494 teilten die Söhne des Hans Blattmann den Erblehenhof Widen ohne Wissen der Obrigkeit in verschiedene kleinere Güter auf, was rechtswidrig war und 1521 rückgängig gemacht werden musste. Ein Teil des Widumhofes blieb indessen im Besitz von Kuny Hofmann, eines Vertreters jener Familie, die kurz darauf als Besitzer des Hofes auf der benachbarten Ödischwänd erscheint. Möglicherweise hat Hofmann in die Familie Blattmann auf Herrlisberg eingeheiratet und wurde damit am Erbe von Hans Blattmann beteiligt. Das Jahrzeiturbar der Kirche Wädenswil von 1555 fuhrt Pali (Paul) Hofmann als Ödischwändbauer auf. Er durfte auf seinem Hof neben Ackerbau auch Viehzucht getrieben haben.
Das Schlossurbar von 1571 nennt Hans Stocker und dessen Ehefrau Margaretha Hofmann als Eigentümer einer stattlichen Wiese mit zugehöriger Feldscheune in der Ödischwänd, denen 1595/96 Grosshans Hofmann als Zinser nachfolgte. Die späteren Spuren dieses Zinses führen über Landrichter Heinrich Hofmanns Erben (1705) zu Landrichter und Schützenmeister Jakob Hofmann (1790) und weiter zu den Hottingern auf Unter Ödischwänd und den Welti auf Ober Ödischwänd (1848), beide nachweislich Rechtsnachfolger im alten Ödischwandhof. Das Bevölkerungsverzeichnis von 1634 lässt den Schluss zu, dass sich nun auf Ödischwänd gleichzeitig mehrere Söhne Hofmann in die Bewirtschaftung des einige Generationen zuvor entstandenen Hofgutes teilten und mit ihren Familien hier in zwei oder mehreren nicht weiter lokalisierbaren Häusern wohnten.

31a Doppelbauernwohnhaus Ober Ödischwänd Vers.-Nr. 1401. Ansicht von Nordwesten (1976).

Die heutigen Höfe Ober Ödischwänd und Unter Ödischwänd verkörpern die Kerngüter des späten 16. bzw. des 17. Jahrhunderts. Von 1700 an können die Besitzesabläufe auf beiden Althöfen bis in alle Einzelheiten der Erbfolge nachvollzogen werden. Das erhaltene Doppelwohnhaus Vers.-Nr. 1401 auf Ober Ödischwänd konnte dendrochronologisch in die 1650er Jahre datiert werden. Damit ist aller Wahrscheinlichkeit nach der Batzenvogt Jakob Hofmann-Aeppli (1584 bis nach 1678) der Erbauer dieses ältesten Sasshauses auf der Ödischwänd, das sich auf den jüngeren Sohn, Richter Hans Heinrich Hofmann-Keller (1631 bis vor 1708), vererbte. In der folgenden Generation muss das Gut unter die beiden Söhne Jakob Hofmann-Hauser (1673 bis nach 1723) und Hans Heinrich Hofmann-Hauser (1678 bis nach 1723) aufgeteilt worden sein. Die Söhne des letzteren teilten ihre Hälfte des Althofes neuerdings auf. So gelangte der eine Teil an den jüngeren Sohn Heinrich Hofmann-Hottinger (1713–1797) und von diesem letzlich an die Enkelin Anna Kleiner-Hofmann (1774–1801). Weil diese Ehe kinderlos blieb, kam der Hof nach 1800 in den Besitz der andern Hofmann-Linie, jener des Geschworenen Jakob Hofmann-Hauser (1716–1787), dann seines Sohnes, des Batzenvogts Jakob Hofmann Isler-Zollinger (1769–1833).
Im 18. Jahrhundert entstanden auf der Oberen Ödischwänd zwei neue Wohnhäuser: das Riegelhaus Vers.-Nr. 1406 im Hof des Batzenvogtes Jakob Hofmann und das heutige obere Wohnhaus Vers.-Nr. 1400, zuerst Eigentum des Kirchmeiers Hans Caspar Hofmann-Aeschmann (1761–1799) und später durch Einheirat der Familie Welti. Nach einer Teilung baute Jakob Hofmann 1819 das neue Bauernhaus Vers.-Nr. 1408, und 1843 gründete Jakob Hofmann den Hof Vers.-Nr. 1402.
Der Hof Unter Ödischwänd mit dem Doppelbauernhaus Vers.-Nrn. 1392/1393 entstand im Westteil des alten Gründungshofes Ödischwänd. Gemäss Jahreszahl im obersten Giebelfenster der Nordwestfassade stammt der zweigeschossige verschindelte Bohlenständerbau aus dem Jahre 1722. Seit 1796 war Heinrich Hottinger-Streuli Eigentümer des um die hundert Jucharten umfassenden Gutes mit der Stallscheune Vers.-Nr. 1388, dem Kellergebäude Vers.-Nrn. 1389/1390, der Trotte Vers.-Nr. 1391 und dem Waschhaus Vers.-Nr. 1395.

36c Bauernhaus Unter Ödischwänd, Vers.-Nrn. 1392/1393. Ansicht von Süden, 1976.

Die im Helvetischen Kataster von 1801 erwähnten 16 Stück Vieh sind Ausweis für einen ausgesprochenen Weidehof in der Unteren Ödischwänd. Nach dem Tode Heinrich Hottingers im Jahre 1808 bewirtschafteten die vier Söhne den väterlichen Hof gemeinsam. Dann teilten sie die Liegenschaft so unter sich auf, dass Rudolf und Kaspar der untere Hofteil, Heinrich und Jakob der obere zufiel. Der oberen Hofhälfte war in der Folge ein wechselhaftes Schicksal beschieden. Sie wurde 1842 vom zugewanderten Berner Johann Dick aus Grossaffoltern veräussert, kam für ein Jahrzehnt wieder in die Familie Hottinger zurück und wurde schliesslich 1858 von Heinrich Eschmann aus Schönenberg erworben. 1920 kaufte Emil Hottinger den Hof zurück. Bei dessen Erben blieb die obere Hofhälfte bis zur Güterzusammenlegung von 1968. Die Geschichte des unteren Hofteils ist weniger wechselvoll. Auf Grund der Erbfolgeverhältnisse kam er 1857 an den angeheirateten Vetter, den Gemeinderat Johann Hottinger-Hottinger, bei dessen Nachkommen die Liegenschaft bis heute geblieben ist.

Kunstgeschichtliche Würdigung

Der Kernbau des Weilers Ödischwänd, das Doppelbauernhaus Vers.-Nr. 1401, ist gemäss Dendrodatierung in den 1650er Jahren erstellt worden. Im Erdgeschoss wurde Holz mit Falljahr Sommer 1654 verwendet, für den ersten Stock schwergewichtig solches mit Schlagzeiten Herbst/Winter 1653/54, 1654/55, 1655/56 und 1657/58. Ein Brett im Dachgeschoss datiert vom Herbst/Winter 1658/59; Balken im Dachbereich konnten den Jahren 1654/55 zugewiesen werden. Die gleichzeitige Verwendung von Bohlenständerbau- und Fachwerktechnik ist darauf zurückzuführen, dass der Bau genau an jener Stelle der Entwicklung steht, wo die Fachwerktechnik langsam die Bohlenständerkonstruktion ablöste. Die grosse Lukarne in der Ostfassade ist jünger als das Haus. Sie wurde laut Dendrobefund aus Holz mit der Fallzeit Herbst/Winter 1724/25 bzw. 1725/26 erstellt.

33 Doppelbauernwohnhaus Ober Ödischwänd Vers.-Nr. 1401. Ansicht von Südosten (1963).

Das zweigeschossige Gebäude wurde über einem zum Teil als Vollgeschoss aus dem Hang ragenden Keller erbaut. Das mit Biberschwanzziegeln gedeckte Satteldach ist mit Aufschieblingen versehen. Die Ostseite ist als eigentliche Hauptfassade ausgebildet. Eine doppelläufige Freitreppe erschliesst die mit einem Kielbogen verzierte Haustüre, die zwischen die beiden Mittelständer eingebunden ist. An der nördlichen Brüstungsfront der Treppe weist die Inschrift «HHSK 1686» auf das Besitzerehepaar Heinrich Hofmann und Susanna Keller hin. Links und rechts des Mittelteils befindet sich je ein fünfteiliger Fensterwagen mit durchgehendem profilierten Sims. Der seeseitige Fensterwagen besitzt eine schöne Fallädenkonstruktion mit Zahnschnittfries und Karniesleisten. Im Obergeschoss und in der Giebellukarne sind zum Teil noch die originalen Butzenscheiben mit Schiebeflügeln vorhanden.

Doppelbauernwohnhaus Ober Ödischwänd Vers.-Nr. 1401.
30c Links: Butzenscheiben im zweiten Obergeschoss. 30d Rechts: Fischband an einer Türe im Erdgeschoss.

Sichtbar sind auch die geraden Buge der Dachkonstruktion, deren Verbindung mit der Flugpfette mittels angeblatteter Kopfhölzer sowie die Zugbänder. Die Dachuntersicht ist unverschält. Die grosse Giebellukarne, welche mehr als die Breite der bergseitigen Stube beansprucht, gibt dem Gebäude einen originellen und ungewöhnlichen Akzent. Die seeseitige Giebelwand, mit zweiflügliger Türe im gemauerten Sockelgeschoss, ist bis auf die Höhe der Rahmbalken mit Flecklingen ausgefacht. Die Doppelfenster des Erdgeschosses sind mit Falläden versehen. Das Dachgeschoss in Riegelkonstruktion verfügt über ein vierteiliges Reihenfenster mit den originalen Butzenscheiben. Der Giebel zeigt eine Bretterverschalung. Erhalten sind auch die Flugsparrendreiecke, welche von Bugen gestutzt werden. Die Hängesäulen weisen die gleichen Verzierungen auf wie die Zugbänder der Ostfassade. Bemerkenswert ist der hölzerne Aborterker an der Nordecke des Erdgeschosses.

30a Links: Abort-Erker in der nördlichen Giebelwand. 30b Rechts: Flugsparrendreieck in der Nordostecke.

Die südliche Giebelwand ist bis zur Höhe der Dachtraufe gemauert. Ein Vordach schirmt das Mauerwerk und eine Bretterverschalung das Giebeldreieck vor der Witterung. Die nördwestliche Traufseite, mit Kellereingang im gemauerten Sockelgeschoss, ist teils in Bohlenständertechnik und darüber in Riegelkonstruktion ausgeführt. An der Westecke ist ein verbretterter Anbau unter Schleppdach angefügt.

32 Doppelbauernwohnhaus Ober Ödischwänd Vers.-Nr. 1401. Querschnitt


Der von 4 x 3 Hauptständern bestimmte Grundriss des ehemaligen Bauernhauses Vers.-Nr. 1401 entspricht dem Typus des quer zum First geteilten Doppelwohnhauses. Es ist von beiden Seiten her erschlossen durch einen durchgehenden Gang, in dem auch die Treppen angeordnet sind. Die ursprüngliche Raumaufteilung ist praktisch unverändert erhalten geblieben. An der östlichen Traufseite befinden sich die beiden getäferten Stuben mit den dahinter liegenden Rauchkuchen. Über dem Wohngeschoss liegt das Kammergeschoss. Einen grossen Teil des jeweiligen Raumes über der Küche nehmen die mächtigen, ehemals offenen Rauchfange ein. Besondere Erwähnung verdienen die reichen Innenausstattungen der Stuben mit datierten Kachelöfen, Kassettendecken, gestemmten Nussbaumtüren mit Originalbeschlägen und Schlössern sowie spätgotischen Kielbogen über den Türen.

31b Doppelbauernwohnhaus Ober Ödischwänd Vers.-Nr. 1401. Grundriss des ersten Obergeschosses.

30e Links: Schwellenschloss in der Nordostecke. 30f Rechts: Küche im Erdgeschoss.

Das Waschhaus Vers.-Nr. 1398 östlich des Kernbaus ist ein einstöckiges Gebäude mit drei Massivmauern und einer Fachwerkwand gegen Osten, die als eigentliche Repräsentativfassade über das Kellergeschoss gestellt wurde. Laut datierten Bohrproben fällte man das Holz für die Riegelwand, die Fensterbank und den Dachstuhl einheitlich im Herbst/Winter 1750/51.

34a Links: Ober Ödischwänd. Waschhaus Vers.-Nr. 1398, von 1750/51. 34b Rechts: Ober Ödischwänd. Speicher Vers.-Nr. 1404.


Die auf freiem Feld unterhalb des Hofes stehende Feldscheune Vers.-Nr. 1397 wurde vermutlich 1693 aus verschieden altem Holz erstellt. Der Bau ist im Grundriss dreiteilig und von der Traufseite her zugänglich. Er umfasste Stall, Tenn und Bergeraum. Die Stallwände bestehen aus einem Flecklingsgefüge; die übrigen Wandteile sind verbrettert. Ein stehender Räfendachstuhl trägt das einfach gedeckte Biberschwanzziegeldach.

34c Links: Feldscheune Vers.-Nr. 1397, dendrochronologisch datiert 1692/93. 34d Rechts: Ober Ödischwänd. Waschhaus Vers.-Nr. 1398.

Ein Angehöriger der Familie Hofmann baute im 18. Jahrhundert das Bauernwohnhaus Vers.-Nr. 1406 im Ober Ödischwänd. 1982 wurde das zweigeschossige Fachwerkgebäude über gemauertem Sockel einer Aussenrenovation unterzogen und unter Schutz gestellt. Das typische engmaschige Riegelwerk weist in den Fensterbrüstungsfeldern dekorative Streben auf. Die östliche Trauffassade ist symmetrisch ausgebildet.
Die ehemaligen Fensterreihen im ersten Wohngeschoss wurden später durch vier Einzelfenster und zugemauerte Wandpartien ersetzt. Die ebenfalls in Fachwerk ausgeführten Giebelseiten sind mit zwei Fensterachsen ausgestattet und tragen im Giebelfeld rautenförmige Ausfachung. Das Sparrendach mit Eindeckung aus Biberschwanzziegeln zeigt Pfettenköpfe, die auf geschweifte Buge abgestützt sind.
Ein überdeckter Laubengang verbindet das Wohnhaus mit dem rechtwinklig angeordneten, 1817 erstellten Trottgebäude Vers.-Nr. 1407, einem Satteldachbau in bretterverschalter Holzkonstruktion. Das Trottwerk wurde 1922 abgetragen.

35a Links: Ober Ödischwänd. Bauernhaus Vers.-Nr. 1400. Nördliche Giebelfassade nach der Restaurierung von 1977. 35b Rechts: Ober Ödischwänd. Das Bauernhaus Vers.-Nr. 1406 aus dem 18. Jahrhundert wurde 1982 einer Aussenrenovation unterzogen.


Das Bauernwohnhaus Vers.-Nr. 1400 im Ober Ödischwänd wurde gemass Inschrift «HCH 1797» im Schlussstein des Türgerichts im Jahre 1797 von Hans Caspar Hottinger erstellt. Durch die steile Geländesituation ist die seeseitige Giebelfassade des Fachwerkbaus dreigeschossig und die bergseitige verputzte Massivwand eingeschossig aufgeführt. Im heutigen Zustand ist die nördliche Giebelfassade mit engmaschigem Riegelwerk und rautenförmiger Ausfachung im Giebel zur Schaufassade aufgewertet. Die westliche Traufseite weist nur im obersten Geschoss Fachwerk auf. Dem bergseitigen Teil fügte man 1843 einen quergiebligen Satteldachbau an, der ursprünglich als Sennhütte diente. Um 1900 wurde das Bauernwohnhaus verputzt und auf der südöstlichen Traufseite durch einen Doppelgiebel völlig verändert. Im Gefolge einer Modernisierung im Innern und einer Umgestaltung des Sennhüttenanbaus zur Gartenhalle konnte 1977/78 auch das Äussere renoviert werden. Die südliche Traufseite erhielt ihr angestammtes Aussehen zurück, und für die Belichtung des neu ausgebauten Dachgeschosses wurde in die Mitte der beiden Dachflächen je eine Lukarne gesetzt. Die Gemeinde Wädenswil und der Kanton subventionierten die Restaurierung, was die Unterschutzstellung des Fachwerkbaus ermöglichte.

35c Links: Ober Ödischwänd. Bauernhaus Vers.-Nr. 1408. Ansicht von Osten. 35d Rechts: Ober Ödischwänd. Bauernhaus Vers.-Nr. 1402. Ansicht von Süden.

Jakob Hottinger liess, gemäss Jahreszahl am Sturz des Kellereingangs, 1819 im Oberen Ödischwänd das Wohnhaus Vers.-Nr. 1408 erstellen. Dessen östliche Trauffassade und das Giebelfeld der seeseitigen Fassade sind in Fachwerk ausgeführt, die übrigen Wandpartien massiv gemauert. Um 1850 wurde das Haus auf der Ostseite um einem Quergiebelanbau erweitert. Die zum Gehöft gehörende Scheune Vers.-Nr. 1409 bestand schon vor dem Wohnhausneubau und wurde im 19. und 20. Jahrhundert erneuert und vergrössert. Das Waschhaus Vers.-Nr. 1410, ein eingeschossiger, verputzter Massivbau mit Satteldach, datiert gemäss Inschrift am Sturz des Eingangs auf der Traufseite von 1843.
Das oberste und jüngste Gehöft im Ober Ödischwänd setzt sich zusammen aus dem gemauerten Bauernwohnhaus Vers.-Nr. 1402 von 1843, dem noch aus dem 18. Jahrhundert stammenden Speicher Vers.-Nr. 1404 und der 1833 erbauten Scheune Vers.-Nr. 1405. Das vermutlich 1722 erstellte zweigeschossige Doppelbauernhaus Unter Ödischwänd Vers.-Nrn. 1392/1393 am Stockenweg ist ein Bohlenständerbau mit geknicktem Satteldach. Die südöstliche Giebelfassade, die Hauptfront, ist verschindelt. Über den Reihenfenstern im Erdgeschoss befindet sich im ersten Obergeschoss eine Laube. Im Giebelfeld sind zwei Klebdächer angeordnet; das Giebeldreieck trägt eine vorkragende Bretterverschalung. Nordwestliche Giebelseite und sudwestliche Traufseite sind massiv gebaut; die nordöstliche Traufseite mit zweigeschossigem Quergiebel über durchlaufender Trauflinie ist verschindelt. 1895 wurde am Wohnhaus ein Schopf und Schweinestall angebaut; 1936 kam ein neuer Zinnenanbau hinzu.

36a Oben: Unter Ödischwänd. Waschhaus Vers.-Nr. 1395. 36b Unten: Unter Ödischwänd. Stallscheune Vers.-Nr. 1388.

Auch zum Hof Unter Ödischwänd gehören verschiedene Ökonomiebauten. Unmittelbar beim Haus liegt das aus dem 18. Jahrhundert stammende Kellergebäude mit Schopf Vers.-Nrn.1389/1390, ein Riegelbau über gemauertem Erdgeschoss, mit geknicktem Satteldach und Lukarne. Östlich davon erhebt sich die an den Garten grenzende einstige Trotte Vers.-Nr. 1391. In der Strassengabelung südlich des Wohnhauses steht das 1843 neu in die Brandversicherung aufgenommene, aber ältere, gemauerte Waschhaus Vers.-Nr. 1395 und bergseits der Unteren Bergstrasse die noch im 18. Jahrhundert erbaute Stallscheune Vers.-Nr. 1388. Zwischen Unter und Ober Ödischwänd liegt im freien Feld die gemauerte ehemalige Sennhütte Vers.-Nr. 1396. Sie wurde 1870 von der «Sennhüttengenossenschaft Ödischwänd» neu erbaut.

Schutz

Die Bauernwohnhäuser der Gehöfte Ober- und Unter Ödischwänd sollen mit Nebengebäuden und Umschwung erhalten bleiben. Das Bauernwohnhaus Vers.-Nr. 1401 und das dazugehörige Waschhaus Vers.-Nr. 1398 wurde 1979 ins Inventar der kunst- und kulturhistorischen Schutzobjekte von regionaler und kantonaler Bedeutung aufgenommen. Das Wohnhaus Vers.-Nr. 1400 steht seit 1978, das Wohnhaus Vers.-Nr. 1406 seit 1982 unter Schutz.

Literatur

Christian Renfer, Die Ödischwänd – Eine Hofgenealogie des 16. bis 19. Jahrhunderts im Wädenswil Berg. Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1990, Wädenswil 1990, S. 30–56 (mit Stammtafel der Familie Hofmann). – Zürcher Denkmalpflege, 9. Bericht 1977/78, Zurich 1982, S. 214/215. – Zürcher Denkmalpflege, 10. Bericht 1979–1982, Zurich 1986, S. 134. – Denkmalpflege des Kantons Zurich, Gutachten Nr. 37–7/1978. – Bestandesaufnahme der Denkmalpflege, 1982. – Direktion der öffentlichen Bauten des Kantons Zürich, Verfügung vom 16. Januar 1990. – Peter Ziegler, Altersbestimmung von Bauten in Wädenswil. Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1993, Wädenswil 1993, S. 23–25.






Peter Ziegler



Bildnachweis

29 Kantonales Hochbauamt, Zürich
30a-e Kantonales Hochbauamt, Zürich
31a Kantonales Hochbauamt, Zürich
31b Kantonale Denkmalpflege, Zürich
32 Kantonale Denkmalpflege, Zürich
33 Kantonales Hochbauamt, Zürich
34a-d Kantonales Hochbauamt, Zürich
35a-d Kantonales Hochbauamt, Zürich
36a-c Kantonales Hochbauamt, Zürich
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