Es wird dunkel. Allmählich verklingen die aus dem Saal zu hörenden Stimmen. Die Schauspielerin Lisa betritt die fast finstere Bühne und harrt in erwartungsvoller Anspannung des Moments, in dem die Scheinwerfer angehen und der Vorhang sich öffnet. Über ein halbes Jahr lang hat sie sich mit dem Stück auseinandergesetzt: Viel zur Epoche gelesen, in der das Drama spielt. Ihren Text gelernt. Die Biografie und Psychologie ihrer Figur eingehend studiert. Sich nicht nur gefragt, was die Figur während der auf der Bühne dargestellten Situation tut, sondern auch woher sie kommt, was sie will, was sie erwartet oder auch nicht, wohin sie geht, was sie bedrückt und beschäftigt, und so weiter. Sich mit Affekten, Mimik, Gestik, Gang, Stimme, Beziehungen, Reaktionsweisen ihrer Figur beschäftigt. Und sie weiss, was sonst noch alles für diesen Moment geleistet wurde: Recherchen, Bearbeitung des Textes, theaterpädagogische Übungen, Schauspielerführung, Inszenierung und Dramaturgie, Auftreiben und Herstellen von Kostümen, Requisiten, Bühnenbildern und Maske, Ton- und Lichtregie. Aber auch die profaneren Dinge: Organisatorisches, Buchhalterisches, Grafik, Werbung, Ticketverkauf, Pausenbuffet... All dieser Aufwand für diesen einen Moment. All die mannigfaltigen Fäden spinnen sich nun, wenn sich der Vorhang öffnet, zu einem Gewebe zusammen – dem Theater. Noch ist der Vorhang zu, aber Lisa spürt die Präsenz des Premierenpublikums. Lisa atmet noch einmal tief durch, schliesst hochkonzentriert die Augen und versetzt sich in ihre Rolle. Licht fade in! Vorhang auf! Es geht los...
Lisa steht stellvertretend für die vielen Menschen, die in Wädenswil Theater spielen. Die vielfältige Geschichte des Laien-, Amateur- und Profitheaters1 in Wädenswil berührt alle Aspekte der Theatergeschichte. Sie können aber aufgrund der Fülle des Materials nicht vollständig abgedeckt werden.2 Die Quellenlage präsentiert sich nämlich durchzogen: Einerseits gibt es eine gewaltige Menge an Quellen und Darstellungen: Zeitungsinserate, Plakate, Textbücher, Fotografien, Protokolle, Festschriften, Vereinschroniken, Presse- und Fachartikel. Andererseits fehlen für viele Fragen Unterlagen, die eine lückenlose Darstellung der Geschichte erlauben. Daher muss dieser Artikel eine Annäherung an das Thema bleiben. Neben den erwähnten Schrift- und Bildquellen waren im Zusammenhang mit bestehenden Gruppen Interviews mit verantwortlichen Personen, also orale Quellen, zentral. Da der Verfasser dieser Zeilen nicht nur ein Wädenswiler Historiker, sondern seit dem ersten Auftritt als Schaf bei der Sonntagsschulweihnacht auch begeisterter Schauspieler, Regisseur und Dramatiker ist, fliessen natürlich auch persönliche Erfahrungen und Erinnerungen in den Text ein. Dem Volkstheater Wädenswil, das 2020 sein 75-jähriges Bestehen feiert, widmet Christian Winkler einen eigenen Beitrag. Weitgehend weggelassen werden hier theaternahe Kunstformen wie Puppentheater, Zirkus, Kabarett/Comedy, Performance, Film und Ähnliches.
Wie so oft, wenn die Geschichtswissenschaft nach «den Anfängen» sucht, bleiben diese auch hier im Dunkeln. Richten wir den Scheinwerfer auf dieses Dunkel, konstatieren wir, dass Theater in der weiteren Umgebung eine lange Tradition haben. In der Antike wurden in römischen Theatergebäuden – das nächstgelegene wurde in Lenzburg freigelegt – Dramen aufgeführt. Im Mittelalter dominierten geistliche Spiele, die sich aber auch im postreformatorischen Zürich grosser Beliebtheit erfreuten und etwa von Reformator Heinrich Bullinger als pädagogisch sinnvoll betrachtet wurden. Eines der Zeugnisse dieser Theaterblüte im 16. Jahrhundert ist das «Zürcher Spiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus», das 1545 gedruckt wurde.3 Unter Berufung auf die Theaterkritik des Augustinus verbot der Zürcher Rat jedoch 1623 das Theater. Antistes Johann Jakob Breitinger bezeichnete 1624 Komödien als «des Teufels Pracht und Anreizung.» Im 18. Jahrhundert zogen professionelle Wandertruppen umher, und im Zuge der Aufklärung lockerte sich das Theaterverbot allmählich. Die Stadt Zürich hat aber erst 1834 mit dem Aktientheater, aus dem das heutige Opernhaus und das Schauspielhaus hervorgegangen sind, eine feste Theaterinstitution erhalten.4
Spätestens im 17. Jahrhundert besuchten wandernde Schauspieler die Region. 1695 wurde eine Theateraufführung in Richterswil aktenkundig, weil sie ohne Bewilligung des Landvogts zu Wädenswil erfolgt war. Die «zwei frömde[n] Schreyer», Leonhard Stadelmann und David Bernet, wurden deshalb mit drei Tagen Gefängnis und Geldbusse bestraft.5 Die ersten nachgewiesenen Theateraufführungen in Wädenswil fallen in die Jahre des kulturellen und sozialen Aufbruchs nach der französischen Revolution. 1790 wurde die Lesegesellschaft gegründet, und im selben Jahr fanden Theateraufführungen (Shakespeares «Romeo und Julia» und Lessings «Minna von Barnhelm ») im Gasthof Krone in Wädenswil statt.6 In seiner «Geschichte des Stäfner Handels von 1794/95» berichtet Salomon von Orelli von der bereits weit gediehenen Theaterkultur in Wädenswil: Auf einem speziell eingerichteten Theater, gemeint ist wohl der Saal der «Krone», würden Komödien gespielt, durchaus auch mit zeitkritischen Inhalten. «Zu Wädenschwyl, wo die Eleganten alle Jahr eine Comödi spielten, hatte er immer eine Hauptrolle übernommen[...]», schreibt von Orelli über den Stäfner Kaspar Billeter.7 Alle anderen «Acteure» waren dagegen aus Wädenswil, wie die Quellen vermerken. Offenbar handelte es sich also um jährliche Laienaufführungen der Dorfbevölkerung. Dass diese Anlässe obrigkeitlich geduldet waren, beweist ein Eintrag im Stillstandsprotokoll, wonach der Erlös der Aufführungen dem Schulfonds zugutekam.8
Das 19. Jahrhundert war von wandernden professionellen «Schauspielergesellschaften» einerseits und von Laientheater ortsansässiger Vereine andererseits geprägt. Eine Trennung zwischen Profis, Amateurinnen, Amateuren und Laien war jedoch noch nicht so ausgeprägt wie heute, und auch die Quellen geben teilweise keine Aufschlüsse darüber. Die Chronik der Lesegesellschaft erwähnt eine Aufführung im Rahmen des Frühlingsmarktes 1806. Vermutlich handelte es sich um dieselbe lokale Laiengruppe, die bereits in den 1790er-Jahren in der «Krone» aufgetreten war. Am selben Ort sollte nun Molières «Wunderdoktor» gegeben werden. Da erreichte die Gruppe eine Verfügung des Gemeinderates, wonach das Stück ohne obrigkeitliche Genehmigung nicht gespielt werden dürfe. Die Theaterleute schickten daraufhin zwei Vertreter zum Zürcher Bürgermeister Hans von Reinhart, der nicht nur die beiden geplanten Aufführungen im Rahmen des Frühlingsmarktes genehmigte, sondern die Schauspieltruppe gar zu zwei weiteren Aufführungen ermunterte. Der Chronist der Lesegesellschaft, welcher diese merkwürdige Episode aufgezeichnet hat, ergreift klar Partei für die Schauspielerinnen und Schauspieler, denen es ja um «edlere Vergnügungen» zu tun sei. Solchen sei der verstockte Gemeinderat Feind.9
1839 gastierte eine Zürcher Schauspielergesellschaft in Wädenswil, wie eine handschriftliche Anzeige bezeugt. Sie diente vermutlich als Vorlage für ein zu druckendes Plakat. Das Stück «Hinco, oder: König und Freiknecht» wurde im Saal des Gasthauses Hirschen aufgeführt. Die Autorin des Dramas war Charlotte Birch-Pfeiffer (1800–1868). Als Schauspielerin wirkte sie auch mit. Sie war von 1837 bis 1842 Direktorin des Zürcher Aktientheaters.10 An diesem war auch Therese Grünewald beteiligt, die auf dem Plakat als Leiterin und Schauspielerin der Schauspielergesellschaft genannt wird. Die beiden führenden Frauen des standortgebundenen Aktientheaters prägten offenbar mit der wandernden Schauspielergesellschaft auch die Theaterkultur im Umland Zürichs. 1878 gastierte die Bieler Stadttheater-Gesellschaft unter der Direktion von Paul Hennig-Egg in Wädenswil. Die Darstellenden logierten im 1821/22 errichteten Gemeinde- und Gasthaus Sonne, dessen kleinen Saal sie für ihre Aufführungen nutzten.11 An einem Septemberabend 1878 wurden beispielsweise das Lustspiel «Der Allerwelts-Vetter, oder: Verwicklungen ohne Ende» und die Pantomime «Der geplünderte Strassengauner» inszeniert. Der Direktor und seine Frau spielten selbst mit. «Wer recht herzlich lachen will, der komme!», warb das Zeitungsinserat.12 1895 kündigte der Regisseur Carl Senges (1866–1940) einen «Cyclus von Theater-Vorstellungen» im Hotel du Lac an. Er gehörte zu einer aus Österreich stammenden wandernden Schauspielergesellschaft.13 Am 25. September spielte die Wandertruppe die Komödie «Dorf und Stadt, oder: Das Lorle vom Schwarzwald» von Charlotte Birch-Pfeiffer.14 Ihre Komödien waren offenbar auch zwei Generationen nach ihrem Wirken in Zürich immer noch gefragt.
Neben Profis gastierten immer wieder auch Amateurtheater in Wädenswil. Speziell war etwa die Revue der von Lagerarzt Dr. Troesch gegründeten Theatergruppe von Kriegsinternierten, die 1945 als eines der ersten Ensembles auf der neuen Engel-Bühne eine Revue aufführte.15
Gastspiele gab es auch in der jüngeren Vergangenheit. Lange Zeit war der einheimische Theaterschaffende Thomas Lüdi mit seiner Künstleragentur «Show Now! Artist & Event GmbH» führend auf diesem Gebiet.
41a Ankündigung der Zürcher Schauspielergesellschaft für das Stück «Hinco» in Wädenswil, 1839.
41b Inserat von Carl Senges für seinen «Theater-Cyclus» im «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee», 1895.
Die 1990 gegründete Firma dient als lokale Partnerin der Managements professioneller Künstlerinnen und Künstler. Lüdi, der durch die Zusammenarbeit mit der Tourneeagentur WITIKA und Anstellungen bei Freddy Burger Management und in der Presseabteilung von Udo Jürgens in der Kulturbranche bestens vernetzt war, brachte als erste Künstleragentur in Wädenswil Musiker wie Gölä und Polo Hofer, Kabarettisten wie Marcocello, César und Lorenz Keiser und Linaz sowie professionelle Volksschauspieler wie Jörg Schneider, Walter Roderer, Erich Vock, Walter Andreas Müller und Birgit Steinegger auf die Bühnen der Region. Heute seien solche Tourneen von komödiantischen Theatern mangels Rendite allerdings kaum mehr möglich, so Lüdi.16
Anders verhält es sich mit dem Theater Kanton Zürich, das auf Gastspiele spezialisiert ist. Das professionelle Ensemble wird vom Kanton und der Zürcher Kantonalbank, aber vor allem durch Beiträge der Mitgliedsgemeinden finanziert. Seit 2020 ist auch Wädenswil Mitglied. Zuvor gastierte das Theater Kanton Zürich auf private Initiative sporadisch im Garten der Villa Flora. Wiederholt war es auch im Theater Ticino zu Gast.17 Die Inszenierungen der meist klassischen Dramen und Stoffe bewegen sich oft auf einem Mittelweg zwischen werktreuer Tradition und innovativer Kreativität und sprechen so breite Bevölkerungsschichten an. Als weitere teilweise professionelle Gruppe gastierte 2019 und 2020 das Bauernhoftheater «hof-theater.ch» im Schluchtal im Wädenswiler Berg.18
Die 1980er-Jahre: Auf der einen Seite Opernhauskrawall und Konflikte um das Autonome Jugendzentrum in Zürich – auf der anderen Seite Kreativität und Alternativkultur. Die Bewegung forderte mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung für Jugend- und Alternativkultur. Auch in Wädenswil war diese junge, unabhängige Kulturszene mit der Grossen 68er-Kommune in der «Schönegg» und dem «Klup am Central» präsent. Vereinzelt, etwa an den Sommerfesten auf dem Seeplatz 1983 und 1984 und sporadisch im «Klup», gelangten auch Theater zur Aufführung.19 Inmitten dieses Umfelds begründeten die Wädenswiler Brüder Ueli und Martin Burkhardt zusammen mit Freundinnen und Freunden ein Gastspielhaus für professionelle Kleinkunst: das Theater Ticino.20 Nach dem Volksentscheid zum Umbau der «Schönegg» in ein bürgerliches Restaurant suchten die kulturaffinen jungen Erwachsenen nach neuen Möglichkeiten für künstlerisches Schaffen – und stiessen auf das um 1900 erbaute und seit 1971 geschlossene Restaurant Ticino an der Seestrasse. Bereits 1982 wurde die «Stiftung Wädenswiler Kulturstätten » aus der Taufe gehoben, deren Zweck die Förderung unabhängiger Spielstätten in Wädenswil ist. Im April begründete das idealistische Team das Theater Ticino. Es sollte ein kultureller Begegnungsort jenseits der Grossstadt Zürich werden, eine Kleinbühne für die Avantgarde, ein Angebot vielfältiger Kunstformen an dem Ort, in dem man aufgewachsen ist.21
43 Aufführung von Händels Oper «Alcina» mit der Freitagsakademie Bern und dem Ensemble Bernvocal im Theater Ticino, 2018.
Nach einem politischen Tauziehen bewilligte der Stadtrat 1985 einen Umbaubeitrag von 200 000 Franken. Seither unterstützt die Stadt das Theater auch jährlich mit Subventionen. Eine weitere Hürde waren Baurekurse. Die Bauphase war auch eine Selbstfindungsphase der Initiantinnen und Initianten: Man wusste zunächst nicht genau, worauf man hinarbeitete und ob man am nächsten Tag noch genug Geld für die Weiterführung des Betriebs haben werde. Im September 1985 fand ein Eröffnungsball statt, und im Oktober konnte dann endlich mit dem Gastspiel «Tut mir leid, Frieda!» die Bühnenweihe begangen werden. 2001 konnte die bislang gemietete Liegenschaft durch die Trägerstiftung erworben und 2003 ausgebaut und professionalisiert werden.22 Gleichzeitig stellte das Theater Ueli und Martin Burkhardt als Geschäftsleiter an. Um die gastronomischen Möglichkeiten – für das «Ticino»-Stammpublikum nicht unwichtig – ausbauen zu können, erhielt das Gebäude 2013 einen Anbau.23
Nur elf mal zwölf Meter misst der Aufführungsraum – ein Kleintheater im Wortsinne, aber mit einer Vision. Eigenproduktionen gab es nur in den Anfangsjahren, insgesamt fünf Mal. Zuletzt wurde 1991 das Stück «Guernica» auf die Bühne gebracht. Doch das inzwischen ausschliesslich aus Gastspielen bestehende Programm ist umso vielfältiger: Professionelles Sprech- und Musiktheater, Puppentheater, Kabarett, Lesungen, Poetry Slams, Konzerte, seltener auch Amateurtheater. Auch Filme gehören zum Programm, vor allem im Rahmen des Open-Air-Sommerkinos im Rosenmattpark. Ruedi Angele fasste 1994 die Philosophie in einem Satz zusammen: «Ohne Vielfalt mit Ausgewogenheit zu verwechseln, bringt das Ticino auch sperriges Kulturgut und politische Standpunkte auf die Bühne.» Zugleich würden aber auch Konzessionen an den Publikumsgeschmack gemacht.24
Das eingespielte Team kommt ohne hierarchische Strukturen aus, wobei Martin und Ueli Burkhardt Programm und Betrieb besonders prägen und das Haus de facto leiten. Martin, der früher als Tontechniker am Schauspielhaus Zürich wirkte, kümmert sich um den technischen Ablauf. Ueli begann seine Karriere in Schultheatern, wirkte dann im Volkstheater Wädenswil mit und studierte schliesslich Schauspielerei am Max-Reinhard-Seminar in Wien. Er zeichnet für die Planung und Organisation des Programms mit bis zu 130 Aufführungen jährlich verantwortlich. Ihn fasziniert am Theater vor allem die Gegenwärtigkeit des Geschehens: «Theater ist immer hier und jetzt und nie es war einmal.» Ihm sei aber rasch bewusst geworden, dass er sich beim «Ticino» auf die Führungsaufgaben beschränken müsse, da für eigene künstlerische Tätigkeit keine Zeit bleibt. Sein Vorteil: Er sei auch ein begeisterter Zuschauer.25 Für Ueli Burkhardt ist die Leitung mehr als nur ein Beruf: Ihn treiben die Freiheit und die Vorfreude auf die lange voraus geplanten Veranstaltungen an. Er erinnert sich an die schwierigen Anfänge. Inzwischen sei das «Ticino» ein schweizweit bekanntes Kleinkunsttheater und Wädenswil sei besser an die Welt angeschlossen.26 Seit der Gründung fanden Tausende von Veranstaltungen statt. Damit ist das Theater Ticino, das als teils beargwöhntes experimentelles Projekt alternativer junger Leute begonnen hatte, inzwischen nicht mehr aus dem Wädenswiler Kulturleben wegzudenken.
Den vielleicht bekanntesten lebenden Kulturschaffenden Wädenswils, Andrew Bond, kennt man vor allem als Singer-Songwriter von eingängigen Kinderliedern. Doch er prägt auch das Wädenswiler Theaterleben mit. In Wädenswil aufgewachsen, studierte er Theologie in Zürich und amtete in den 1990er-Jahren als Oberstufenlehrer, bevor er sich ab 2003 ganz der Kunst widmete.27 Doch seine künstlerische Tätigkeit begann bereits früher: Als Leiter im Cevi initiierte er unter anderem die Musicals zu «Franz von Assisi», «Moses» und «David» in überkantonalen Lagern. Dabei arbeitete der blutjunge Musiker unter anderem mit dem «Bündner Barden» Linard Bardill zusammen. Zusammen mit Markus Preisig, Wilhelm Schlatter und Wolfgang Braune führte er zum 125-Jahr-Jubiläum des Cevi Wädenswil das selbstgeschriebene Musical «Das Wunder von Narnia» (1987) auf. Über 200 Kinder und Jugendliche waren in Orchester, Band, Chor und als Schauspielerinnen und Schauspieler dabei. Bond als künstlerischer Leiter und Produzent erinnert sich, dass man damals weder ein Budget noch viel Ahnung vom Kunstschaffen hatte – gewissermassen eine Carte Blanche mit grossartigem Freiraum, aber auch ein Lernfeld, in dem Fehler erlaubt waren. Einige Jahre später organisierte der Cevi ein weiteres grosses Musicalprojekt mit dem Titel «Bahnhof» unter der Leitung von Stefan Eschmann.28 Später leitete Bond den Oberstufenchor, der bei Konzerten auch szenische Elemente einband.
1998 veröffentlichte Andrew Bond sein erstes CD-Album «Zimetstärn». Mit dem Album «Mitsing*Wienacht» von 2001 wollte er unter anderem zu Krippenspielen anregen.29 In den folgenden Jahren war er als Musiker – auch für Krippenspiele – zunehmend gefragt. Auch in der reformierten Kirche Wädenswil und in der Kulturhalle Glärnisch inszenierte er weihnachtliche Musicals mit seinen inzwischen schweizweit bekannten Liedern.30 2012 übernahm er das Gastspieltheater Zürich, das Fredy Kunz und Monika Wild 1977 in Oerlikon gegründet hatten. Es war seither schweizweit mit Theater- und Musicalfassungen von Märchenstoffen auf Tournee. Unter dem Namen «MärliMusicalTheater» vollzog Bond ein Rebranding und domizilierte das reisende Berufstheater neu in Wädenswil. Es handelt sich um das einzige Profi-Theaterensemble mit Sitz in Wädenswil. Mit einer eigenen Musicalfassung von «Dornrösli» unter der Regie von Thomas Lüdi feierte das neue Wädenswiler Theater im Oktober 2012 in der Kulturhalle Glärnisch Premiere.31
45 Andrew Bond bei der Premiere von «Jackie Mac-Säbel und die Party-Piraten» in der Kulturhalle Glärnisch, 2016.
Seit 2017 verfügt das Theater über eigene Probelokalitäten in der Beichlen. Bond setzt im Gegensatz zu seinem Vorgänger primär auf eigene Werke («Jackie MacSäbel und die Party-Piraten», 2016), seltener auf kreative Neubearbeitungen bekannter Stoffe («Heidi, wo bisch du dihei?», 2019).32 Bond sagt von sich, er sei ein «Ideenmensch»: Ihn fasziniert es, ausgehend von der Idee ein Gesamtkunstwerk aufzugleisen und zu entwickeln, besonders im polykreativen Genre des Musicals. Mit ihnen will er Kinder und Erwachsene begeistern. Tolle Darstellende, gute Musik und eindrückliches Dekor würden jedoch nicht genügen, wie Bond betont: Es brauche eine überzeugende Story, die auch berühren und zum Nachdenken anregen kann. Für Bond ist das Unternehmen nicht lukrativ – aber er führt es mit Begeisterung, da er hier seine künstlerischen Visionen verwirklichen kann.33 Die Kinder in der ganzen Schweiz freut‘s.
Kein Wädenswiler hat die Theatergeschichte der Region auf so vielfältige und bedeutende Weise geprägt wie Felix Rellstab (1924–1999). 1946 bis 1948 absolvierte er am 1937 gegründeten Bühnenstudio und am Schauspielhaus Zürich seine Ausbildung zum Schauspieler und Regisseur. Ausserdem studierte er Philosophie, Psychologie und Heilpädagogik an der Universität Zürich. In der Folge wirkte er als Dramaturg, Regieassistent, Regisseur und Schauspieler an zahlreichen Theatern und begründete verschiedene Theaterinstitutionen.34 Unter anderem gehörte er zu den Mitbegründern des Theaters Neumarkt in Zürich – damals als experimentelles Theater ein Novum in der Stadt. 1966 bis 1971 amtierte er als erster Intendant dieser auch politisch engagierten Institution und brachte als erstes «Die Gartenlaube» des tschechischen Autors und späteren Politikers Vaclav Havel auf die Bühne.35 Ferner war Rellstab von 1960 bis 1991 Direktor des Bühnenstudios, das er 1972 zur Schauspiel-Akademie Zürich transformierte. Heute ist sie unter dem Namen «Theaterhochschule Zürich» Teil der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Neben seinen Tätigkeiten auf und hinter der Bühne trat Rellstab als Autor zahlreicher theoretischer und praktischer Schriften zu Regie und Schauspiel in Erscheinung. Zu den bis heute gefragten Standardwerken gehört seine zehnbändige Reihe «schauspiel», die der international renommierte Autor in seiner Heimatstadt Wädenswil bei Stutz Medien verlegte. Zu dieser Reihe gehört unter anderem das «Handbuch Theaterspielen» in vier Bänden und ein Buch über den bedeutenden Schauspielreformer Konstantin Stanislavskij (1863–1938), an den Rellstabs Theaterpädagogik anknüpft.36 Der in Wädenswil geborene Rellstab verstarb 1999 in Schönenberg.37
Bedeutsam ist das sich über mehrere Generationen und Kunstgattungen erstreckende Schaffen der Künstler-Familie Humm, von denen hier die Personen mit Bezug zum Theater erwähnt werden: Ambrosius Humm (1924–2018), Sohn des Zürcher Schriftstellers und Puppenspielers Rudolf Jakob Humm, war vielseitig tätiger bildender Künstler, doch der Schwerpunkt seines Oeuvres lag auf der Bühnenmalerei. Er schuf über 350 Bühnenbilder, etwa für das Schauspielhaus und das Theater Neumarkt in Zürich, das Stadttheater St. Gallen oder das Staatstheater Nürnberg. Sein Stil war weniger von überschwänglicher Opulenz, als von Reduktion auf das Wesentliche geprägt.38 Wädenswil ist der Heimatort seiner Frau, der Künstlerin Regula Humm-Rellstab. Ihr Bruder Felix verschaffte Ambrosius Humm Aufträge am Theater Neumarkt. 1972 liessen sich Ambrosius und Regula Humm in Wädenswil nieder.39 Ihr Enkel ist der Bariton Äneas Humm, der bereits auf diversen internationalen Opern- und Operettenbühnen stand, darunter der des geschichtsträchtigen Nationaltheaters Weimar.40
Ein international bekannter Berufsschauspieler verbrachte seinen sehr aktiven Lebensabend in der Au: Bruno Ganz (1941–2019). Er war gefragter Charakterdarsteller im europäischen Kino, aber auch engagierter Bühnenschauspieler in Wien, Zürich, Berlin und anderen bedeutenden Theaterstädten. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in der Au eher zurückgezogen, angezogen vom landschaftlichen Reiz der Halbinsel.41 Eine ganze Reihe weiterer Namen ist mit Wädenswil verbunden: Emil Bader (1908–1987) war seit 1929 in Wädenswil und als volkstümlicher Dramatiker und Amateur darsteller prägende Figur im Wädenswiler Theaterleben.42 Ein vielseitiger Unterhaltungskünstler war Seppl Bernardi (1899–1984), bürgerlich Walter Barny. Der Wädenswiler agierte als Musiker, Clown, Komiker und Schauspieler, viele Jahre zusammen mit Karl Blondel, mit dem er eine Unterhaltungsgruppe gründete und unter anderem heitere Theaterstücke inszenierte.43 In Wädenswil geboren ist der Dichter Jürg Signer. Ab 1989 schrieb er drei Dramen, welche die «klassische Hochkultur» ebenso aufgriffen wie die «Populärkultur»: «Eleanor Rigby» 1990, «Johanna die Kühle» 1993, «Der Ruf» 1994.44 Die studierte Theaterpädagogin Ann-Cathrin Wuttke-Bodmer, aufgewachsen an der Türgass in Wädenswil, wirkte als Schauspielerin, Regieassistentin und Maskenbildnerin bei auffallend vielen einheimischen Theaterprojekten mit: Bei «Bühne Frei», beim «KinderJugendTheater», beim «Volkstheater», bei «Luut und Dütlich» und diversen kirchlichen und schulischen Theatern. Sie führt bei Theatern in verschiedenen Kantonen Regie und brachte bereits mehrere eigene Stücke auf die Bühne.45
Die Zeit um 1900 war die Blütezeit der grossen Festspiele, meist Freilichtaufführungen mit hunderten von Darstellerinnen und Darstellern im Gedenken an historische Ereignisse. Sie sollten Gemeinsinn, Bildung und Patriotismus fördern.46 In Wädenswil gingen die Festspiele auf die Fasnacht zurück. 1842 wurde beispielsweise mit 300 Wädenswiler Mitwirkenden das Freilichtspiel «Bruchstück aus der Schlacht am Stoss, oder: Wie die Schweizer im 15. Jahrhundert Krieg führten» aufgeführt. Es fand an verschiedenen Plätzen Wädenswils statt und dauerte den ganzen Tag. Am Morgen versammelten sich die Innerschweizer, Berner und Zürcher Truppen an verschiedenen Orten im Dorf. Am Nachmittag griffen die Österreicher das eidgenössische Lager bei der «Sust» an, wurden aber geschlagen, entwaffnet und festgenommen. 1843 folgten «Szenen aus dem Leben Napoleons» mit Jakob Blattmann von der Eichmüli in der Titelrolle. Nicht nur historische, sondern auch zeitgenössische politische Themen wurden aufgegriffen. Dies bezeugt etwa die 1846 aufgeführte Satire «Communismus und Sozialismus», die von glücklosen Vertretern dieser damals im Vorfeld der März-Revolution wachsenden Bewegungen handelte. Ein Bajazzo beschloss das Stück mit einem Spottlied über die Lächerlichkeit sozialistischer Ideen.47 Die Wahl des Themas hatte einen pikanten lokalgeschichtlichen Hintergrund: Die Wädenswilerinnen und Wädenswiler münzten ihre Satire auf den Richterswiler Frühsozialisten Johann Jakob Treichler, als «freundnachbarschaftlicher» Racheakt an den Richterswilern, die ein Fasnachtsspiel über eine Wädenswiler Hochstapler-Blamage von 1844 aufführten.48
Bemerkenswert waren vor allem die Festspiele der 1873 gegründeten X-Gesellschaft, als Organisatorin der Fasnacht Vorläuferin der heutigen Neuen Fasnachtsgesellschaft (NFG). Sporadisch widmete sich der sonst auf das Narrentreiben spezialisierte Verein der Inszenierung grosser Festspiele. Das Interesse der Gesellschaft an der ernsthaften Inszenierung geschichtlicher Themen manifestierte sich bereits beim zwölf Gruppen umfassenden historischen Umzug «Bilder aus der Geschichte Wädenswils 1200–1798» im Rahmen der Fasnacht 1881. Im November 1896 wurde anlässlich der Einweihung des Kraftwerks Waldhalde das Festspiel «Zum Licht» vom damals berühmten Dichter Jakob Christoph Heer aufgeführt. Trotz des modernen Themas beginnt das Stück in der Pfahlbauerzeit und schlägt den grossen historischen Bogen zur Gegenwart. Bemerkenswert und neuartig waren die Lichteffekte, die das Elektrizitätswerk realisierte und damit mit der neuen Technologie spielte.
48a Festspiel der X-Gesellschaft zur Verkehrsgeschichte Wädenswils auf dem Eidmatt-Schulhausplatz mit einem Nachbau des Dampfers «Minerva», 1923.
Eher dem Närrischen nahestehend war das Spektakel «Circus à la Barnum & Bailey» 1903. Eines der grössten Festspiele fand 1908 vor dem alten Turnschopf des Schulhauses Eidmatt statt. Es griff das Thema des ersten Festzuges von 1881 wieder auf und war auch mit einem solchen verknüpft: «Bilder aus der Geschichte von Wädenswil vom Jahre 1200 an bis zur Gegenwart». Das Plakat für den «historischen Umzug mit Festspiel» kündete nicht weniger als 650 Teilnehmende und 100 Berittene an. Verfasser des Spiels waren Adolf Eichenberger und Walter Müller. Das Bühnenbild der Wädenswiler Firma G. und J. Müller zeigte unter anderem die Burgruine Alt-Wädenswil.
48b Festspiel der X-Gesellschaft mit Bildern aus der Geschichte Wädenswils, 1908.
An zwei Junisonntagen des Jahres 1923 folgte der Umzug «Blühendes Leben – 100 Jahre Verkehr in Wädenswil» anlässlich des 50-Jahr-Jubiläums der X-Gesellschaft, ebenfalls verbunden mit einem Festspiel, das diesmal von Ernst Eschmann verfasst wurde. Rund 3000 Zuschauerinnen und Zuschauer führten sich das Freilichtspiel mit 800 Mitwirkenden zu Gemüte. Das Bühnenbild stellte den Wädenswiler Gasthof Krone dar, wohl weil dieser verkehrstechnisch zentral in der Nähe von Hafen, Eisenbahn und alter Landstrasse lag.49 Das Stück endete patriotisch-versöhnlich: «Mer gänd is d’Händ und hebed zunenand / Und blibed treuem alte Vaterland.»50 Die Fasnacht ist mit ihren Umzügen, Maskenbällen und Schnitzelbänken bis heute ein Ort für dem Theater nahestehende Ausdrucksformen.
Freilichtfestspiele gab es auch bei anderen Gelegenheiten. Im Jahr 1900 organisierte der Lesezirkel Hottingen ein Freilichtfestspiel zum Gedenken an die Zürichseefahrt des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock anno 1750. Eine Waldwiese auf der Halbinsel Au diente als Aufführungsort des Festspiels von Hedwig Waser. Fast tausend Besucherinnen und Besucher waren mit einem Extradampfer aus Zürich angereist.51
Eines der letzten grossen Festspiele war das Mundartstück «Bi öis am See» von Emil Bader, aufgeführt mit über 500 Mitwirkenden anlässlich des Zürcher Kantonalturnfests 1938. Es behandelte das Leben am Seeufer, das «fröhlich Volk», die Chilbi und schloss mit einem «Lob der Arbeit». Beteiligt waren zahlreiche Wädenswiler Vereine, darunter der Turnverein, der Veloclub und die Harmoniemusik, sowie Chöre und Schulklassen.52 Als Regisseur verpflichtete man August Schmid, der mit seiner Inszenierung des Calderón’schen «Welttheaters» in Einsiedeln Erfahrungen mit Massenszenen erworben hatte. Aufgeführt wurde das zweieinhalbstündige Stück insgesamt fünfmal in der temporären Hauptfesthalle des Turnfests im Oedischwänd.53
50 Schülerinnen und Schüler beim Festspiel «Bi öis am See» anlässlich des kantonalen Turnfestes im Oedischwänd, 1938.
Am 1. August 1941, mitten im Zweiten Weltkrieg, führten einige Wädenswilerinnen und Wädenswiler im Rosenmattpark die Rütli-Szene aus Schillers «Tell» auf.54 Es war die Zeit der «Geistigen Landesverteidigung», des Zelebrierens patriotischer Wehrhaftigkeit nach innen und aussen. Mit dem Kriegsende neigte sich die Blütezeit der Festspiele allmählich ihrem Ende zu. 1949 inszenierte der junge Felix Rellstab noch «D’Stäckliherre – 4 Bilder aus dem Leben am Zürichsee im 18. Jahrhundert» im Rosenmattpark.55
«Früh übt sich, was ein Meister werden will», heisst es in Friedrich Schillers «Wilhelm Tell», dem wohl meistgelesenen Drama an Schweizer Schulen. Diese Binsenweisheit scheint auch manche Lehrperson motiviert zu haben, mit ihren Schülerinnen und Schüler Sprechtheater, Musicals und Kasperlitheater einzustudieren. Der Mittelstufenlehrer Hans Scheidegger setzte bereits in den 1970er-Jahren auf Schultheater. Hier würden die Kinder lernen, in der Gruppe mit anderen zusammenzuarbeiten, Sprache gezielt einzusetzen und würden von der Vielfalt des Theaters profitieren – von der Improvisation bis zu Bühnenbild, Requisiten und Musik. Mit seiner vierten Klasse spielte er 1979 eine selbstgeschriebene Fassung des Märchens «Des Kaisers neue Kleider».56
Dass die Inhalte der Schultheater nicht bloss unterhaltsam, sondern auch pädagogisch wertvoll sein sollen, versteht sich von selbst. Die Primarlehrerin Anita Christiansen etwa inszenierte 1998 «Pepino», ein Stück über Fremdenfeindlichkeit und Freundschaft mit der zweiten Klasse, und 1999 den klassischen Stoff «Die Schildbürger» über die kleinen menschlichen Schwächen mit der dritten Klasse im Dachgeschoss des Schulhauses Eidmatt. Manche Lehrer wirkten selbst als Autoren, so der Sekundarlehrer Hermann Egli, der 2005 sein Stück «Die Prinzessin» über Freud und Leid in der Pariser Clochard-Szene zur Aufführung brachte.57 Im Schulhaus Glärnisch inszenierten Monika Hiestand und Sonja Schnyder 2019 mit ihrer zweiten Klasse das Märchen «Der König, der die Zeit vergass» über das Problem der verlorenen Zeit – ein zeitloses Thema. 2014 organisierten die Lehrpersonen der Kleingruppenschule eine Theater-Projektwoche «Der Zauberlehrling», in der die Kinder binnen Wochenfrist alle Aspekte des Theaters – Rollenstudium, Gesang, Inszenierung, Bühnenbild, Kostüme, Requisiten – kennenlernten. Die Aufführung im Etzelsaal war natürlich der Höhepunkt der Projektwoche. Neben den Volksschulen führt auch die Stiftung Bühl regelmässig Theater auf. Ende 2020 wird das von Kindern und Jugendlichen entwickelte Stück «Zwischen Zeiten» zum Jubiläum des Bühls öffentlich aufgeführt.
Kanzel und Bühne seien gar nicht so verschieden, meinte der reformierte Pfarrer Andres Boller einmal.58 Zwar stehen nicht immer, wie im Fall Bollers, die Pfarrer selbst auf der Bühne, aber Theater ist ein fester Bestandteil der kulturellen und sozialen Arbeit in den Kirchgemeinden. Es ist aber gut möglich, dass im Rahmen der Kirchen eine gewisse Reserviertheit gegenüber dieser Kunstform bis weit ins 20. Jahrhundert hinein anhielt.
Bei den Reformierten gab es spätestens seit den 1950er-Jahren Krippenspiele. 1957 etwa inszenierte Balz Brunner mit den «Freunden des Volkstheaters» das Stück «Es ist ein Roos entsprungen».59 Theater war spätestens in den 1960er-Jahren Teil der Jugendarbeit: Man spielte «Sketchs, Theater und Soziodramas.»60 Für die Kinder ist seit Jahrzehnten die Sonntagsschulweihnacht in der Kirche, heute «Kolibriweihnacht» genannt, der Höhepunkt des Kirchenjahres. Dazu gehört neben dem feierlichen und spektakulären Entzünden der hunderten von Christbaumkerzen auch ein Krippenspiel der Sonntagsschule. Es gehört spätestens seit den 1970er-Jahren dazu. 1978 inszenierte Lydia Bond, die Mutter von Andrew Bond, ein aus dem Englischen übersetztes Krippenspiel mit einem Soundtrack von Konrad Rickenbach.61 Seit einigen Jahren werden die Lieder jeweils von einem Orchester aus Schülerinnen und Schülern der Musikschule Wädenswil begleitet. Auch Pfarrer Andres Boller schrieb solche Krippenspiele für die Sonntagsschulweihnacht, darunter eines mit dem Titel «De König vu Wädischwil».62
Von Bollers fünfzehnjähriger Wädenswiler Wirkungszeit blieb vielen jedoch vor allem das «Cabaret Chilemüüs» der 1980er-Jahre in Erinnerung. Zusammen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen brachte er zu Theatern verdichtete Sketchprogramme auf die Bühne. Im Juni 1979 debütierte die Gruppe im Kirchgemeindehaus. Nach Bollers Abschied 1989 kam das «Cabaret Chilemüüs» zum Erliegen.63 In den 1990ern war es der Sozialdiakon Heinz Kernwein, der sich für ein Wiederaufblühen des Theaters in der reformierten Kirchgemeinde stark machte. Er gründete die Jugendtheatergruppe «Bühne frei» (noch heute bestehend), die Kindertheatergruppe «Peperoncini» (aufgelöst) und absolvierte sogar eine Ausbildung zum Theaterpädagogen, um seine Kompetenzen zu vertiefen. Neben den eher säkularen Stoffen der Hauptaufführungen waren diese Gruppen auch bei Krippenspielen in Altersheimen und in Gottesdiensten unter dem Jahr präsent. Nach 19 engagierten Jahren wechselte Kernwein 2014 zu einer Anstellung in Luzern, blieb Wädenswil aber als Co-Leiter des «KinderJugendTheaters » erhalten.64
Wie bei den Reformierten ist auch für die Kinder der römisch-katholischen Pfarrei St. Marien das weihnachtliche Krippenspiel jeweils ein Höhepunkt des Jahres – auch hier hat es bereits jahrzehntelange Tradition. Über viele Jahre leitete die Katechetin Jolanda Despond die Kinder. Die Spiele werden jeweils im zur Pfarrei gehörenden Etzelsaal gespielt, wobei nicht selten auch Gastspiele in den Altersheimen dazukamen.65 Vergleichsweise früh belebte die katholische Jungmannschaft mit ihren Schauspielen das Pfarreileben und brachte beispielsweise 1945 das Lustspiel «D’r Wältundergang» von Albert Maurer auf die Bühne.66 Daneben gab es auch Theateraufführungen in den Gesangsvereinen. So wurde 1933 vom Cäcilienverein Wädenswil «Die Bettel-Urschel» im Pfarrhaussaal aufgeführt.67 Auch der Cäcilienchor Schönenberg veranstaltete Mitte des 20. Jahrhunderts kleinere Theater. Aus ihm ging 1970 die Theatergruppe Schönenberg hervor.68 So wie die ursprünglich reformierte Jugendgruppe «Bühne frei» bis heute besteht, geht auch das 1989 gegründete «Seniorentheater Etzelbühne» auf kirchliche Initiative zurück.69 Auch in den nicht-landeskirchlichen Religionsgemeinschaften wurden sporadisch Theater aufgeführt, sofern genügend initiative Kräfte vorhanden waren. In den 2000er-Jahren gab es beispielsweise die «Theaterfreunde der evangelisch-methodistischen Kirche», die in der Rosenbergkapelle spielten. 2004 gaben sie die Kriminalkomödie «Dr rot Koffer».70
Unter den Vereinen, die Theater als Nebentätigkeit betreiben, ragen die Gesangsvereine hervor. Zahlreiche Männer- und Frauenchöre veranstalteten Theater, meist im Rahmen von Unterhaltungsabenden, den Chränzli. Sie umfassen oft Gesang, Theater, Turnvorstellungen (bei Turnvereinen) und sind in der Regel an ein gastronomisches Angebot im Saal gekoppelt. Sie werden oft mit einer Tombola und einem Tanzvergnügen nach der Vorstellung beschlossen. Bei einigen Chören sind Chränzli bis heute Brauch. Der bereits 1844 gegründete Männerchor Schönenberg veranstaltete während vieler Jahrzehnte zusammen mit dem Frauenchor Schönenberg Chränzli mit Gesang und Theater. 1951 etwa wurde gemeinsam das Volksstück «Chum Bueb und lueg dis Ländli a» von A. Stählin inszeniert, 1995 das Lustspiel «Die nöi Magd vom Hinterschache» von Josef Brun durch den Männerchor allein. Im Gegensatz zum Frauenchor existiert dieser heute noch, hat aber nur noch fünf Mitglieder und führt keine Theater mehr auf.71
Seltener betrat der 1851 gegründete Männerchor Eintracht die Bühne. Immerhin eröffnete der Verein 1855 einen Ball im «Engel » mit dem Stück «Der sächsische Schulmeister».72 Unter Dirigent Fritz Stüssi wurde vermutlich um 1900 das komische Singspiel «Die Wilddiebe» aufgeführt.73
Auch der 1892 gegründete Sängerbund Wädenswil, ein Gesangsverein der Arbeiterschaft, betrat regelmässig im Rahmen von Abendunterhaltungen die Bretter, die die Welt bedeuten. Oft war die «Krone» Aufführungsort der Chränzli. 1921 spielte dieser gemischte Chor das Volksstück «Die Bauernhochzeit im Gebirge». 1992 fusionierte er mit dem Gemischten Chor Langrüti.74
52 Der Männerchor Hütten anlässlich des Stücks «S’Millione-Bett», um 1920.
Chränzli mit Theater veranstaltete auch das 1942 gegründete Katholische Sängerkollegium Wädenswil. Der Männerchor wollte sich primär weltlicher Musik und Theaterliteratur widmen und war ab 1955 offiziell konfessionsneutral.75 Wie so viele Gesangsvereine ist auch das Sängerkollegium inzwischen verschwunden.
Der bereits seit 1863 bestehende Männerchor Ort und der Frauen- und Töchterchor Ort organisierten noch in den 1990er-Jahren jeweils gemeinsam ein Chränzli – interessanterweise manchmal mit je einem kurzen Theater pro Chor. 1966 Schwank «E fabelhafti Idee» von Arthur Brenner. Der 1931 gegründete Frauenchor wurde 2012 aufgelöst, während der Männerchor bereits 2008 mit jenem in der Langrüti fusioniert war.76 Doch auch dort kam die Theater-Tradition zum Erliegen. In der Langrüti im ländlichen Wädenswiler Berg wurde 1884 ein gemischter Chor gegründet. 1907 gab es einen Töchterchor und neu auch einen Männerchor, mit dem die Chränzli mit Konzert und Theater gemeinsam veranstaltet wurden. Der Töchterchor verschwand, doch bestand von 1936 bis 1993 wiederum ein gemischter Chor, der gemeinsam mit dem Männerchor die Chränzli veranstaltete. Nur der Männerchor hatte weiter Bestand und fusionierte mit mehreren anderen Chören.77 Der seit 2008 «Männerchor Au-Langrüti» genannte Verein organisierte im Januar 2019 zum letzten Mal ein Chränzli mit Theater im Dorfhuus Schönenberg, seiner angestammten Spielstätte. Der Schwank «Immer Ärger mit Emil(y)» von Claudia Gysel wurde zur Abschiedsvorstellung, weil der Aufwand mangels Nachwuchs nicht länger gestemmt werden konnte.78
Nach wie vor auf der Bühne aktiv ist der 1907 gegründete Männerchor Hütten. Er entstand aus einer losen Gruppe von Sängern, die sich 1895 zusammenfanden und bereits 1896 und 1897 erste Chränzli mit Theateraufführungen zum Besten gaben. Die Tradition wurde nach der offiziellen Vereinsgründung ab 1908 bis heute weitergeführt. Man bevorzugt im hochgelegenen Dorf Hütten unterhaltsame, alpin-volkstümliche Stücke mit Titeln wie «Auf der Alp da gits kei Sünd» (1937), «S’Heidi vom Alpstübli» (1997) oder «Uf d’Flüelaalp» (2006). Aufführungsort ist nach den Anfängen in den Sälen der Hüttner Gasthöfe Kreuz und Krone seit 1968 der damals neu erbaute Gemeindesaal.79
Ebenfalls aktiv ist der Chor «Xang Arn-Stocken». Auf Wädenswiler Seite geht er auf den 1906 von 31 «Jungfrauen und Jünglingen» gegründeten Gemischten Chor Stocken zurück. 1907 gab der Verein die erste Abendunterhaltung in der Wirtschaft Neubüel und 1908 ebendort die erste eigentliche Theateraufführung. Vor allem volkstümliche Stoffe, zum Beispiel «Seemüllers Grittli» (1908), «S neu Stürgsetz» (1963) oder «Liebi mit Blächschade» (1998), wurden auf die Bühne gebracht. Speziell war das Bühnenbild für «Das alte Försterhaus» im Jahr 1983 mit echten Tannen und laufendem Brunnen – hier bewährte sich wohl der land- und forstwirtschaftliche Hintergrund der Sängerinnen und Sänger des im ländlichen Wädenswiler Berg beheimateten Vereins. Die Bühne im Neubüel wurde 1936 aus Vereinsgeldern (400 Franken) neu erbaut. Sie ist heute die einzige erhaltene Bühne in einem Gastronomiebetrieb. 1995 übernahm der erprobte Schauspieler Ruedi Blickenstorfer Leitung und Regie. 2013 fusionierte der Gesangsverein Stocken mit dem Gemischten Chor Arn aus dem benachbarten Horgen – und führt die Chränzlitradition bis heute fort.80
Theater als «Nebenprodukt» der Vereinstätigkeit war im 19. und frühen 20. Jahrhundert bei zahlreichen Vereinen verbreitet. Auch der älteste Verein, die 1790 gegründete Lesegesellschaft, gehörte zu ihnen. 1909 brachte Rudolf Eichenberger in der Lesegesellschaft den Vorschlag ein, eine Theatergesellschaft zu gründen. Dies wurde jedoch nicht weiterverfolgt, da die Mehrheit meinte, man könne auch im Rahmen der Lesegesellschaft Theater organisieren. Zur «Schiller-Feier» 1910 führte man denn auch den Einakter «August Wehrli» von E. Ziegler auf.81 Für die Gedenkfeier zum 100. Todestag von Conrad Ferdinand Meyer im Schloss Au 1998 organisierte die Lesegesellschaft einen Auftritt der externen Amateurtheatergruppe «Sperrsitz». Gespielt wurde ein Stück nach der vom Schloss Au inspirierten Novelle «Der Schuss von der Kanzel».82 Vereinzelt sorgte die Lesegesellschaft auch für Gastspiele von Profitheatern.83
Am 14. Februar 1847 wurde die Wädenswiler «Monatsgesellschaft» gegründet, der in den folgenden Jahrzehnten aktivste Verein hinsichtlich Theater. Am 2. Mai wurden erstmals drei kurze Stücke in Folge im Engel-Saal aufgeführt, darunter «Die Heirath wider Willen» von Molière.84 Bei dieser Monatsgesellschaft handelte es sich jedoch nicht um einen reinen Theaterverein – es wurden auch politische Geschäfte verhandelt und für wohltätige Zwecke Geld gesammelt. Ein Zeitungsinserat kündigte für den 13. Januar 1850 beispielsweise «Theater, Verhandlungen, Wahlen»85 an. Gerade mal zwei Wochen später wurden im «Engel» bereits zwei weitere Stücke aufgeführt: Das Schauspiel «Der Essighändler» und das Lustspiel «Die Spinnstube». Der Erlös ging «zu Gunsten des hiesigen Pestalozzivereins».86 Aus den Inseraten wird nicht nur die politische und wohltätige Ausrichtung des Vereins deutlich, sondern auch das beeindruckende Spielintervall des Laienensembles: Fast monatlich ein neues Stück im «Engel» oder in der «Krone»!87 Vonseiten der Presse und des Gemeinderats erfuhr der Verein infolge seiner künstlerischen und karitativen Tätigkeiten grosses Wohlwollen.
54 Inserat der Monatsgesellschaft für eine Theateraufführung im Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee, 1850.
So verweigerte die Exekutive 1851 einem Glarner Wandertheater, das ein Gesuch um zwölf Auftritte in Wädenswil gestellt hatte, das Aufführungsrecht. Begründung: Man habe hier selbst bereits ein «Liebhabertheater» zu gemeinnützigen Zwecken.88 Ob das nun der tatsächliche Grund oder nur ein Vorwand war, sei dahingestellt. 1899 erfolgte die Auflösung der Monatsgesellschaft und die Abtretung von «Bühne, Coulissen, Garderobe und Bibliothek» an eine andere, nicht näher bekannte Theatergesellschaft.89
In den Jahren um 1900 brachte der Musikverein Harmonie diverse kleinere Singspiele und einaktige Komödien für wenige Spielende auf die Bühne, etwa den 1897 publizierten Schwank «S’Babeli vom Zürisee» von Ulrich Farner.90 Im Gegensatz zu anderen Turnvereinen waren die Turnvereine von Wädenswil und Schönenberg nicht im grossen Stil schauspielerisch aktiv. Zum Programm von 1895 im Engel-Saal gehörte aber immerhin neben einem «kostümierten Waffentanz» auch eine Pantomime mit dem Titel «Die schöne Almerin».91 Die Jugendlichen der von 1853 bis 1984 bestehenden Kadettengesellschaft veranstalteten ab 1941 regelmässig Kadettenabende mit Turndemonstrationen, Schnitzelbänken, Clownerien und Theatern.92 Der Grütliverein, ein sozialistisch-patriotischer Arbeiterverein mit vielfältigen Tätigkeiten, setzte ebenfalls auf die Bühne. Nachdem die Wädenswiler Sektion 1883 im «Engel» ansässig geworden war, begründete er einen Fonds für den Kauf von Theaterrequisiten und -ausstattung. Für die Vereinsmobilien und Theaterrequisiten wurden 793 Franken veranschlagt. Dennoch spielte die Theatergruppe des Grütlivereins laut einem Zeitungsinserat 1887 nicht im «Engel», sondern in der «Sonne». Man gab neben einem kurzen Schwank das Volksdrama «Der Fabrikler, oder: Die falsche Freundschaft» von Arnold Lang.93 Die gewählte Literatur entsprach offensichtlich den Zielen und Zwecken des Arbeitervereins.
Bereits für die Monatsgesellschaft waren die monatlichen Theaterprojekte ein zentrales Standbein. 1909 wurde auf Initiative von Rudolf Eichenberger der «Theaterverein » gegründet, der als erste reine Theatergruppe gelten kann. Mit dem Stück «Buschliesl, oder: Die Mühle im Edelgrund» feierte der junge Verein am Berchtoldstag 1910 ein fulminantes Debut im Engel-Saal. Bewusst habe man weder einen Klassiker noch einen «‹Modernen› im verpönten Sinne» gewählt, wie ein der Gruppe offenbar nahe stehender «Theaterfreund» als Replik auf eine Vorkritik im «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee» schrieb. Es sei überhaupt «erfreulich, dass sich wieder einige rührige Theaterfreunde zusammengefunden haben, und dieses Jahr unserer Bevölkerung billige und angenehme Gelegenheit verschaffen, ein echtes Volksstück mitdurchzuerleben, denn nicht jeder kann sich das teure Vergnügen leisten und nach Zürich fahren, um sich dort zu amüsieren.»94 1911 folgte dann die elsässische Komödie «Die Schmuggler».95 Später verliert sich die Spur dieser Gruppe, die offenbar nur wenige Jahre Bestand hatte.
55 Vermutlich handelt es sich bei dieser nicht näher bezeichneten Theatergruppe um den neu gegründeten «Theaterverein», der 1910 mit «Buschliesl» ein fulminantes Debüt gab.
Das Feld des Theaters wurde vorübergehend zu einer Brache in der kulturellen Landschaft Wädenswils. Der Einsender eines Textes zur Gründung eines neuen Theatervereins lobte 1941 die kulturellen Leistungen der Wädenswilerinnen und Wädenswiler auf allen Gebieten – «Ein Gebiet aber scheint in Wädenswil vergessen worden zu sein: das Theater.»96 Dieser von Jakob Bolli initiierte Theaterverein kam allerdings nicht zustande. Dennoch entstand 1942 eine «Theatergesellschaft Wädenswil».97 Unter der Regie von Ettore Cella vom Schauspielhaus Zürich brachte sie 1944 Kleists «Der zerbrochne Krug» und 1945 das Stück «Via mala», frei nach John Knittels Roman, im Engel-Saal zur Aufführung.98
56 Der «Theaterverein» anlässlich seiner Aufführung «Die Schmuggler» auf der Terrasse des Gasthofs Engel, 1911.
Nicht alle Theatergruppen sind langlebig – bei manchen fällt der Vorhang schnell wieder. Dies scheint auch bei der Theatergruppe des Jugendzentrums der Fall gewesen zu sein, die 1978 im Treffpunkt-Kafi der Freizeitanlage debütierte. Das sozialkritische Stück «Mensch mit Geld – Geld mit Mensch» war nur in den Grundzügen festgelegt und liess den Darstellenden viel Raum für Improvisation.99
Heute widmen sich nicht weniger als sieben verschiedene Vereinigungen vollumfänglich dem Amateurtheater. Die älteste ist das 1945 gegründete Volkstheater Wädenswil. 25 Jahre nach dessen Gründung erfolgte in der damals noch eigenständigen Gemeinde Schönenberg eine erneute Vereinsgründung: Das Theater Schönenberg. Wie das Volkstheater feiert es 2020 ein rundes Jubiläum.
Michael D. Schmid
41a Dokumentationsstelle Oberer Zürichsee, Wädenswil
41b Dokumentationsstelle Oberer Zürichsee, Wädenswil
43 Bernhard Fuchs, theaterfoto.ch
45 MärliMusicalTheater, Wädenswil
48a Archiv Peter Ziegler, Wädenswil
48b Archiv Peter Ziegler, Wädenswil
50 Archiv Peter Ziegler, Wädenswil
52 Männerchor Hütten
54 Dokumentationsstelle Oberer Zürichsee, Wädenswil
55 Archiv Peter Ziegler, Wädenswil
56 Archiv Peter Ziegler, Wädenswil
AAZ: Allgemeiner Anzeiger vom Zürichsee
DOZ: Dokumentationsstelle Oberer Zürichsee
ZSZ: Zürichsee-Zeitung
1 Als «Laientheater» werden in der Regel Vereine bezeichnet, die neben anderen Vereinszwecken auch Theater aufführen. «Amateurtheater» meint spezialisierte Theatervereine. «Profitheater» setzt je nach Definition eine Ausbildung oder ein durch das Theaterspiel generiertes Erwerbseinkommen der Darstellenden voraus. – Der Autor bedankt sich für Auskünfte, Unterlagen und Bildmaterial bei den befragten Theaterschaffenden sowie für sachdienliche Hinweise bei den Historikern Christian Winkler, Adrian Scherrer und Peter Ziegler.
2 Eine so umfangreiche Theatergeschichte, wie Carlen sie für das Oberwallis geleistet hat, ist hier nicht möglich. Vgl. Albert Carlen, Theatergeschichte des deutschen Wallis, Brig 1982.
3 Martin Dreier, Theater, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/ 011895/2013-12-18, konsultiert am 24.7.2020. – Das Zürcher Spiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus, in: Pamphilius Gengelbach, Die Totenfresser, hg. von Joseph Schmidt, Stuttgart 1969.
4 Anna Pia Maissen, Kurze Geschichte des Theaters in Zürich, in: Theater? Theater! Archivbestände zur Theatergeschichte im Stadtarchiv Zürich, Zürich 1992, S. 8f.
5 Peter Ziegler, Wädenswil im Wandel der Zeiten, Wädenswil 1960, S. 68.
6 Peter Ziegler, Wädenswil, Bd. 2, Wädenswil 1988 (2. Auflage), S. 213–214.
7 Peter Ziegler, Wädenswil im Wandel, a.a.O., S. 68.
8 DOZ, ZH 29, Texte zur Ausstellung «Saure Wochen, frohe Feste. Alltag und Festtag unserer Vorfahren» des Ortsmuseums Wädenswil, 1977; Willy Blattmann, Kulturelles Leben in Wädenswil, in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1976, S. 6; Peter Ziegler, Wädenswil im Wandel, a.a.O., S. 68.
9 DOZ, LC 11, Chronik der Lesegesellschaft Wädenswil, Bd. 1, S. 164, doi: 10.5076/e-codices-dsoz-LC0011; vgl. auch Peter Ziegler, Wädenswil im Wandel, a.a.O., S. 70.
10 DOZ, OC-10-8:10, Handschriftlicher Anzeigetext für ein Theater, 1839. Anna Pia Maissen, a.a.O, S. 8.
11 Inserate im AAZ vom 17.9 1878, 3.10.1878, 5.10.1878, 8.10.1878, 12.10.1878, 15.10.1878, 5.12.1878. – Vgl. Peter Ziegler, Das Haus «Zur Sonne» in Wädenswil, Wädenswil 1988, S. 12–17 und S. 31.
12 AAZ, 5.9.1878.
13 AAZ, 19.9.1895. Thomas Blubacher, Stadttheater Rheinfelden, Rheinfelden AG, in: Andreas Kotte (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Bd. 3, Zürich 2005, S. 1726–1728
14 AAZ, 24.9.1895.
15 AAZ, 10.9.1945.
16 Mündliche Auskünfte Thomas Lüdi.
17 ZSZ, 9.9.2020.
18 https://hof-theater.ch/spielorte/w%C3%A4denswil, konsultiert am 7.7.2020.
19 Mariska Beirne, Christian Winkler, Töfflibuebe + Störefriede: Jugendgeschichten aus Wädenswil – Bilder und Gespräche, Wädenswil 2018, S. 18–29.
20 Ruedi Angele, Zehn Jahre Theater Ticino: Die Fortsetzung eines Experiments, in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1994, S. 65–74.
21 Mündliche Auskünfte Ueli Burkhardt.
22 DOZ ZA 12:9.
23 ZSZ, 7.6.2014.
24 Ruedi Angele, a.a.O, S. 68–72.
25 Inge Kracht, Neues vom Zürichsee: Entdecken, Erleben, Geniessen, Berchtesgaden 2010, S. 74–76.
26 Mündliche Auskünfte Ueli Burkhardt.
27 ZSZ, 14.8.2003.
28 Andrew Bond, 125 Jahre Cevi Wädenswil, in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1987, S. 30. Mündliche Auskünfte Andrew Bond und Thomas Lüdi.
29 ZSZ, 27.11.2001.
30 Mündliche Auskünfte Andrew Bond.
31 ZSZ, 22.10.2012.
32 www.maerlimusicaltheater.ch, konsultiert am 27.6.2020.
33 Mündliche Auskünfte Andrew Bond.
34 Fritz Franz Vogel, Felix Rellstab, in: Andreas Kotte (Hg.), Theaterlexikon der Schweiz, Zürich 2005, Bd. 3, S. 1479.
35 Claudia Caduff, Hanni Greti Eber, Anna Pia Maissen, Die Archivbestände zur Theatergeschichte im Stadtarchiv Zürich, in: Theater? Theater! Archivbestände zur Theatergeschichte im Stadtarchiv Zürich, Zürich 1992, S. 22.
36 Felix Rellstab, Stanislawski-Buch, Wädenswil 1976 (Reihe schau-spiel 3) und weitere Publikationen in der Reihe «schau-spiel».
37 Nachruf in Neue Zürcher Zeitung, 15.3.2000.
38 Tages-Anzeiger, 11.11.1998.
39 Pascale Schuoler, Die Welt erfassen: Begegnung mit dem Maler, Grafiker und Bühnenbildner Ambrosius Humm (1924–2018), in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2019, S. 108–116.
40 ZSZ 16.4.2017.
41 Nachruf in ZSZ, 17.2.2019.
42 Peter Ziegler, Emil Bader (1908–1987), in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1987, S. 69–70.
43 Frank Erzinger, Der aus Wädenswil stammende Unterhaltungskünstler Seppl Bernardi, in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1997, S. 73–80.
44 Peter Ziegler, Jürg Signer: Dichter und Dramatiker, in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1994, S. 33–35.
45 Archiv «Luut und Dütlich»; mündliche Auskünfte Ann-Cathrin Wuttke.
46 Vgl. François de Capitani, Festspiel, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/011212/2005-11-28/, konsultiert am 58 27.7.2020. Peter Röthlisberger, Benedikt Fontana lebt! Die Calvenfeier von 1899 und ihre Auswirkungen auf das Geschichtsverständnis, Chur 1999, passim.
47 Peter Ziegler, Wädenswiler Fasnacht im 19. Jahrhundert, in: Heimatblätter, AAZ, 19.2.1958.
48 Diesen Hochstapler-Vorfall verarbeitete Gottfried Keller später zu seiner berühmten «Seldwyla»-Novelle «Kleider machen Leute», vgl. Adrian Scherrer, Bärenswil, Sonnwil, und Mythikon: Wädenswil als Literaturschauplatz, in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2004, S. 50–51.
49 Peter Ziegler, Wädenswiler Fasnacht, Wädenswil 1994, S. 10–24; die Festspiele ernteten teils kritische Presserückmeldungen (besonders im marxistischen «Kämpfer», der in dem Anlass nur bourgeoise Propaganda sah). DOZ, ZM 17, Vereinsakten, Festspielprogramme und Plakate der X-Gesellschaft.
50 Ernst Eschmann, Wädenswil 27. Mai und 3. Juni 1923: Festspiel und Umzug «Blühendes Leben. 100 Jahre Verkehr», Wädenswil [1923], S. 32.
51 Albert Hauser, Halbinsel Au – ein Glücksfall: Menschen, Kultur und Landschaft, Zürich 1991, S. 48f.
52 Emil Bader, Bi öis am See: Festaufführung in drei Bildern, Wädenswil [1938]. – Peter Ziegler, 50 Jahre «Freunde des Volkstheaters Wädenswil» 1945 bis 1995, Wädenswil 1995, S. 4. – Zu August Schmid: Erich Trösch, August Schmid, in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/046235/2011-08-15/, konsultiert am 17.6.2020.
53 AAZ, 1.7.1938, 8.7.1938.
54 AAZ, 8.10.1941.
55 AAZ, 27.6.1949.
56 Hans Scheidegger, Kinder spielen Theater, in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1979, S. 22–25.
57 Privatsammlung Michael D. Schmid.
58 DOZ, ZA 12:7, Flyer für das Programm «Narrheiten – Wahrheit» des Cabaret Chilemüüs.
59 Peter Ziegler, 50 Jahre «Freunde des Volkstheaters Wädenswil», a.a.O., S. 46.
60 Jörg Gutzwiller, Jugendarbeit, in: So leben wir: Festschrift zum 200jährigen Jubiläum der Kirche Wädenswil 1967, S. 142.
61 Unterlagen Lydia Bond.
62 Privatsammlung Michael D. Schmid.
63 Andres Boller, Cabaret Chilemüüs, in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1979, S. 30–33. Zum Abschied von der Pfarrfamilie Andres und Ruth Boller: AAZ, 20.6.1989.
64 Mündliche Auskünfte Heinz Kernwein.
65 Mündliche Auskünfte Christian Winkler.
66 AAZ, 26.1.1945.
67 AAZ, 22.2.1933.
68 Mündliche Auskünfte Josef Lagler.
69 Myriam Albrecht et al., 10 Jahre Seniorentheater Etzelbühne Wädenswil, Meilen 1999.
70 ZSZ, 26.1.2004.71 DOZ, ZM 64, Vereinsunterlagen und Programme Männerchor Schönenberg. Mündliche Auskünfte Josef Lagler.
72 DOZ, ZM 61:5, Vereinsprotokolle Männerchor Eintracht. Peter Ziegler, 150 Jahre Männerchor Eintracht Wädenswil 1851–2001, Wädenswil 2001.
73 DOZ ZM 61:12, Libretto «Die Wilddiebe» von Hugo Pollack. Die Musik komponierte Franz Theodor Cursch-Bühren.
74 Irma Studer, Sängerbund Gemischter Chor Wädenswil 1892–1992, in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1992, S. 122–124. Peter Ziegler, Alltag und Festtag im alten Wädenswil, Wädenswil 1996, S. 199.
75 Hanswerner Bass, 50 Jahre Sängerkollegium Wädenswil, in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1992, S. 125–127.
76 DOZ, ZM 65, Vereinsakten und Programme Frauenchor Ort. Vgl. auch ZSZ, 16.2.2009.
77 Kurt Rohr, 100 Jahre Männerchor Langrüti, in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2007, S. 82–88.
78 ZSZ, 25.1.2019.
79 Hans Kleist, 100 Jahre Männerchor Hütten: 100 Jahre Geschichten und Episoden, Hütten 2007, passim.
80 100 Jahre Gesangverein Stocken: Jubiläumsschrift 1906–2006, [Wädenswil 2006], passim. Peter Ziegler, Hundert Jahre Gesangverein Stocken. 1906–2006, in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2006, S. 47–57. – ZSZ, 13.1.2019.
81 ZSZ, 18.10.1990.
82 ZSZ, 20.10.1998.
83 DOZ, ZA 12:6; Zeitungsausschnitte und Programme der Lesegesellschaft.
84 AAZ, 17.2.1887.
85 AAZ, 12.1.1850.
86 AAZ, 23.1.1850.
87 Vgl. z.B. die Inserate im AAZ vom 1.1.1851, 7.1.1852, 20.11.1852, 6.11.1873, 13.12. 1873, 7.2.1874, 17.2.1887.
88 Peter Ziegler, Wädenswil im Wandel, a.a.O., S. 70.
89 AAZ, 12.10.1889
90 DOZ, ZM 32, Libretti und Vereinsakten Musikverein «Harmonie».
91 AAZ, 30.11.1895.
92 Peter Ziegler, Das Wädenswiler Kadettencorps, in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 2003, S. 32–52.
93 AAZ, 19.2.1887. – Karl Schüpbach, Chronik des Schweizerischen Grütlivereins, Sektion Wädenswil, 1860 bis 1843, Zürich 1948.
94 AAZ, 31.12.1909, 1.1.1910 und 7.1.1910.
95 Peter Ziegler, Alltag, a.a.O., S. 198.
96 AAZ, 8.10.1941.
97 AAZ, 29.3.1943.
98 AAZ, 2.10.1945. – Vgl. auch Max Schmid, Laientheater am oberen Zürichsee, in: Jahrbuch vom Zürichsee 1948/49, S. 263-271.
99 Theatergruppe Jugendzentrum Wädenswil, in: Jahrbuch der Stadt Wädenswil 1978, S. 75–77.