Gründungsjahr: 1945
Organisationsform: Verein, Co-Präsidium Daniela Brodbeck, Ashley Stutz
Webseite: www.volkstheater-waedenswil.ch
Als freie Spielgemeinschaft 1945 gegründet, betrachteten sich die «Freunde des Volkstheaters» ursprünglich explizit nicht als Verein. Als erstes Stück wurde Schillers «Die Räuber» gewählt, dem weitere Klassiker folgten. Prägende Figur war in den 1960er- und 1970er-Jahren Emil Bader. Er schuf Mundartstücke und Dialektfassungen von Klassikern. Carl Zuckmayers «Katharina Knie» (1969) gehörte zu den grossen Erfolgen jener Zeit. Heute bedient das Volkstheater Wädenswil bewusst unterschiedliche Interessen und wechselt daher in der Literaturauswahl zwischen Komödien und Kriminalstücken, tragischen und nachdenklichen Dramen und klassischen Bühnenstoffen ab. Der künstlerische Anspruch wird vor allem durch die professionelle Regie eingebracht. Je nach Inszenierung wechselt die Ausrichtung zwischen modernen Ansätzen und klassischem Volkstheater. Jedes Projekt ist einzigartig, weil Regie, Ensemble und andere Chargen jährlich wechseln. In einer Spielsaison sind bis zu 50 Helferinnen und Helfer im Einsatz.
Gründungsjahr: 1970
Organisationsform: Verein, Präsidium Fabio Gulino
Webseite: www.theaterschoenenberg.ch
Im Oktober 1970 beschlossen Mitglieder des Cäcilienchors der römisch-katholischen Pfarrei Schönenberg die Gründung eines Theatervereins. Schon im November brachten sie das erste Stück auf die Bühne: «Sunnmattwand» von Heinz Künzi. Formell gegründet wurde die Theatergesellschaft Schönenberg, heute kurz Theater Schönenberg, dann im März 1971. Das Theater Schönenberg spielt ausschliesslich unterhaltsame und lustige Stücke: Komödien, Schwänke und Kriminallustspiele. Dies liegt auch an der hohen Dichte an Theatergruppen in der Region, die eher ernsthafte Stoffe auf die Bühne bringen. Langjähriger Regisseur ist Sepp Lagler. Das 2009 aufgeführte Stück «Turbulänze über em Atlantik», eine Agentenkomödie von Ramon Wächter, war aus seiner Sicht aussergewöhnlich, weil hierfür auf der Bühne in aufwändiger Arbeit die Flugzeugbar einer Airbus-Maschine rekonstruiert wurde. Besonders an diesem Projekt war auch die Tatsache, dass es sich um eine Uraufführung handelte. Zu den Aufführungen im Dorfhuus gehört Bankettbestuhlung und Bewirtung.
Gründungsjahr: 1989
Organisationsform: Untergruppe des zur Pfarrei St. Marien gehörigen Katholischen Frauenvereins, Präsidium Iren Hodel, Carla Billeter, Robert Soom
Webseite: www.seniorentheater-etzelbuehne.ch
Das «Seniorentheater Etzelbühne», die einzige Wädenswiler Gruppe speziell für Menschen ab 60, entstand im Umfeld der römisch-katholischen Pfarrei Wädenswil. Die Gründerin Myriam Albrecht war engagierte Schauspielerin beim Volkstheater und Vorstandsmitglied im Katholischen Frauenverein, als sie nach Absolvieren eines Kurses über Seniorenarbeit die Gruppe begründete. Sie schrieb selbst einige der Stücke und führte in den ersten zehn Jahren auch Regie. Der Erfolg der jährlichen Projekte erlaubt es, als einzige Wädenswiler Amateurgruppe regelmässig im Herbst auf Tournee zu gehen. Das Seniorentheater spielt in der Regel Lustspiele, die sich aber vom blossen «Schenkelklopfer» abheben. So dürfen die Stücke auch Moral enthalten und einen Einblick in den reichen Erfahrungsschatz und die Lebenswelt der älteren Generationen ermöglichen. Ein Beispiel dafür ist «Frühlingsgefühl im Herbst» (2019), ein Stück, in dem sich ältere Menschen neu verlieben und damit publikumswirksam aufzeigen, dass Träumen auch im Alter noch erlaubt ist.
Gründungsjahr: 1994
Organisationsform: Verein, Gesamtleiter Thomas Lüdi
Webseite: www.buehne-frei.ch
Die von Heinz Kernwein im Rahmen der reformierten Kirchgemeinde begründete Theatergruppe «Bühne frei» war zunächst als einmaliges Projekt geplant, hat aber bis heute Bestand. Prägende Figur neben Kernwein, der sich nach einigen Jahren zurückzog, ist der Leiter und Regisseur Thomas Lüdi. Ihn begeistert an seiner Arbeit, dass durch die jahrelange Erfahrung und das menschlich harmonierende Ensemble Theater auf hohem Niveau geboten werden kann. Nach der Loslösung von der Kirche war «Bühne frei» zeitweise ein Zweig des «KinderJugendTheaters» und ist seit 2019 ein eigener Verein. Gründer Heinz Kernwein nennt «Schwarz auf Weiss» (1997) von Ephraim Kishon als besonderes Projekt, weil alle Figuren Mäuse sind und das Stück zudem philosophischen Gehalt aufweist. Gesamtleiter Thomas Lüdi nennt die sehr emotionalen Projekte «Einer flog über das Kuckucksnest » (2012) und «Honig im Kopf» (2018) sowie «Madame Deux-Pièce» (2014), bei dem zwei Schauspieler eine Rolle spielten, was ein Grossteil des Publikum aufgrund der perfekten Maske nicht bemerkte.
Gründungsjahr: 2000
Organisationsform: Lose Projektgruppe, Leitung Michael D. Schmid
Webseite: www.luutundduetlich.ch
Die Gruppe begann im kleinen Rahmen im Familienkreis. 2006 formierte sich «Luut und Dütlich» als altersmässig breit aufgestellte Gruppe und tritt seither öffentlich auf. Michael D. Schmid ist seit Beginn Leiter, Regisseur und hat diverse der zur Aufführung gebrachten Stücke selbst verfasst – anfänglich leichtere Komödien, in den letzten Jahren vermehrt auch ernsthafte und tragische Stoffe. Die Gruppe sieht sich der Verbindung von Unterhaltung mit Relevanz und emotionaler und intellektualer Tiefe verpflichtet. Für Schmid waren seine eigenen Dramen «Der Fliegende Holländer» (2013), «Die aussergewöhnliche Geschichte des Robin Hood» (2017) und «Sechs Kugeln für ein Greenhorn» (2019) die interessantesten, weil tiefgründigsten Projekte. Am Speziellsten war wohl «Blindflug» (2018): Dort wurde das Foyer zum Flughafen, der Saal zur Kabine. Die Schauspielerinnen und Schauspieler sassen im Publikum, das wiederholt in die Inszenierung einbezogen wurde.
Gründungsjahr: 2003
Organisationsform: Musiktheaterschule von Léa Blumer-Comfort
Webseite: www.kindermusiktheater.ch
Das «Kindermusiktheater» ist keine Theatergruppe im engeren Sinn. Vielmehr handelt es sich um eine Theater-, Tanz- und Musikschule, in der jeden Nachmittag geprobt wird. In den Proben lernen die Kinder und Jugendlichen auf spielerische Weise, ihr Selbstbewusstsein zu entwickeln. Als Abschlussprojekt ihrer Ausbildung zur Lehrerin für musikalische Früherziehung schrieb die ausgebildete Sängerin, Pianistin und Komponistin Léa Blumer-Comfort 2003 ein Musical, das sie mit Wädenswiler Kindern zur Aufführung brachte. Seither verfasst und komponiert sie jährlich mindestens ein Musical, das mit professionellem Aufwand in der Kulturhalle Glärnisch aufgeführt wird, und veranstaltet ein Winterkonzert. Die Aufführungen sind jeweils der Höhepunkt des intensiven ganzjährigen Schulbetriebs. Die Musicals verpacken Themen des Alltags in eine Geschichte mit universeller Moral. In Sachen Schauspiel, Tanz, Gesang, Improvisation und Bewegung ist das Kindermusiktheater Kinderkultur pur. Durch das Zusammenspiel der Künste werden Emotionen erzeugt, die Mitwirkende und Publikum tief berühren.
Gründungsjahr: 2008
Organisationsform: Gemeinnütziger Verein, Leitung Heinz Kernwein und Thomas Lüdi
Webseite: www.kinderjugendtheater.ch
2007 boten Heinz Kernwein und Thomas Lüdi einen Theatertag im Rahmen des Ferienpasses an, den die bemerkenswerte Zahl von 60 Kindern besuchten. Aufgrund dieses Erfolges gründeten sie das «KinderJugendTheater», organisiert als Verein, mit Standbeinen in Wädenswil und Thalwil. Jährlich werden zwei Projekte – ein Kinder- und ein Jugendstück – in 18 verschiedenen Gruppen mit rund 300 Mitwirkenden auf die Bühne gebracht. Es ist zurzeit das grösste Kindertheater am Zürichsee. Der Theaterpädagoge Kernwein und der vielseitig theatererfahrene Autodidakt Lüdi setzen auf selbstgeschriebene Stücke teils bekannter Stoffe. Für die Kinder vom Kindergarten bis zur Mittelstufe werden eigene Bearbeitungen von Märchenstoffen bevorzugt. Für die Jugendlichen gebe es wenig gute Theaterstoffe, und die Klischee-Jugendthemen seien bei Jugendlichen gar nicht immer so beliebt, wie Kernwein ausführt. Daher kommen hier die unterschiedlichsten Stoffe zum Tragen – auch mal ein Krimi oder ein politisch brisanter Stoff wie «Die Welle».
Volkstheater Wädenswil: Christian Winkler, Vorhang auf für 75 Jahre Volkstheater Wädenswil: Das Buch zum Jubiläum, Wädenswil 2020. Max Schmid, Laientheater am oberen Zürichsee, in: Jahrbuch vom Zürichsee 1948/49, S. 263–271. Mündliche Auskünfte Daniela Brodbeck.
Theater Schönenberg: Mündliche Auskünfte und Unterlagen Sepp Lagler.
Seniorentheater Etzelbühne: Myriam Albrecht, 10 Jahre Seniorentheater Etzelbühne, Meilen 1999. Pressetext anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums und Flyer zum Jubiläumsprojekt (Privatsammlung). Mündliche Auskünfte und Unterlagen Iren Hodel und Robert Soom.
Bühne frei: Mündliche Auskünfte Thomas Lüdi und Heinz Kernwein.
Luut und Dütlich: Archiv «Luut und Dütlich».
Kindermusiktheater: ZSZ, 2.6.2005 und 12.6.2014. Mündliche Auskünfte und Unterlagen Léa Blumer-Comfort.
KinderJugendTheater: Mündliche Auskünfte Heinz Kernwein und Thomas Lüdi.
Zusammengestellt von Michael D. Schmid. Der Autor dankt allen Gesprächspartnerinnen und -partnern.
Michael D. Schmid