Wo Erfolg und öffentliche Anerkennung blühen, wachsen oft wie Unkraut auch Neid und Missgunst. Mittelmässige Pfarrer mögen herausragende Kirchenmusiker nicht leiden. Eifersüchtig auf ihre Wirkung, versuchen sie, sie zu beherrschen und zu drangsalieren. Finden sich in der Behörde noch genügend neidische, kleinkarierte und geltungssüchtige Personen, ist Mobbing nicht mehr weit. Dies musste Ursula Hauser wie so viele andere Kirchenmusiker auch erfahren: Für die Abendgottesdienste im Berg wollte man ihr den ordentlichen Tarif nicht bezahlen – erst der Brief einer beauftragten Rechtsanwältin schuf augenblicklich Ordnung. Als einziger Kirchgemeindeangestellter reduzierte man ihr im Zuge von Sparmassnahmen für ein Jahr den Lohn. Um sie von jeglichem Mitdenken und Planen über die Zukunft der Kirchenmusik in der Gemeinde auszuschliessen, bestellte die Kirchenpflege eine zweite Musikkommission. Auf der in jede Haushaltung versandten «Umfrage zur Musik in unserer Kirchgemeinde» wurde die Fyraabig-Musig-Konzertreihe mit keinem Wort erwähnt. Dieses demütigende und ausgrenzende Verhalten ihr gegenüber – die Liste könnte noch um vieles mehr ergänzt werden – setzte ihr sehr zu, blieb aber auch etlichen Gemeindegliedern nicht verborgen. In zahlreichen Briefen und überaus kritischen Bemerkungen auf zurückgesandten Fragebogen wurde die Kirchenpflege unter anderem aufgefordert, ihre Verantwortung als «Arbeitgeber einer christlichethisch orientierten Unternehmung» endlich wahrzunehmen. «Ganz offensichtlich haben Sie ein tiefsitzendes Problem mit dem Kulturschaffen und der Person von Ursula Hauser. Wie anders ist es zu erklären, dass sie im Zusammenhang mit dem Fragebogen nicht zu Rate gezogen und dass weder sie noch die Feierabendkonzerte in der Umfrage erwähnt wurden! Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Sie über die Tatsache hinwegsehen können, dass die Qualität, das vitale Musikleben in unserer Kirche und dessen Resonanz über unsere Gemeindegrenzen hinweg zu einem ganz wesentlichen Teil Ursula Hauser zu verdanken sind.
Sind wir doch dankbar, dass wir eine Organistin haben, die sich nicht einem biederen 0815-Organistendasein verpflichtet fühlt, sondern weit mehr Anstrengungen unternimmt, diesem Musikleben Impulse und Farbe zu verleihen. Und vielleicht sollten wir auch anerkennen, dass Ursula Hauser trotz der immer wieder in ihre Richtung abgegebenen Giftpfeile sich bis heute in ihrem Enthusiasmus nicht entmutigen liess. Diese andauernden Spannungen und Ihr Verhalten ihr gegenüber sind höchst unfair und völlig inakzeptabel» (Rolf Sturzenegger). Ein Ehepaar schreibt: «Dass solches Mobbing in unserer Kirchgemeinde geschieht, finden wir entsetzlich. Das hat Frau Hauser nicht verdient. Es ist höchst unchristlich und wird nicht christlicher dadurch, dass es von Pfarrerseite aus betrieben wird. Warum macht eine Kirchenpflege bei solchen üblen Machenschaften mit?»
Peter Weiss
8 Foto Hoffmann, Wädenswil
9 Astra Press Service Foto, Paris
10 Christian Hauser
11 Kurt Rohr, Wädenswil
12 Barbara Keller
13a Adrian Scherrer, Archiv Zürichsee-Zeitung, Horgen
13b Peter Weiss, Au
14a Ruedi Angele
14b Peter Weiss, Au
16 Foto D. Unger
18 Heidi Bollhalder, Toggenburger Nachrichten
19 Loretta Curschellas, Zürich
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