Wädenswil 1800 bis 1991

Quelle: Wädenswil 1800 bis 1991, Publikation 1991 von Peter Ziegler

Vorwort

Wann wurde der Verkehrsverein gegründet? Wann wurde das Neue Eidmattschulhaus eingeweiht? Wann wurde der Gerbebach eingedeckt? Seit wann fährt die Südostbahn elektrisch? Wann hat Wädenswil auf Erdgas umgestellt? Seit wann ist Tempo 50 innerorts in Kraft? Seit wann …? Seit wann …?
Solche Fragen sind mir oft gestellt worden. Dies hat mich bewogen, die wichtigsten Ereignisse aus der Wädenswiler Geschichte zwischen 1800 und 1991 in einer Zeittafel zusammenzustellen.
Nach Jahren gruppiert, werden in diesem kleinen Nachschlagewerk wichtige und weniger bedeutende Geschehnisse aufgelistet: Vereinsgründungen, Daten aus der Politik, Wirtschaft, Technik, Gesellschaft, Kultur sowie aus dem kirchlichen und sozialen Bereich. Die Einweihung oder der Abbruch markanter Bauten werden ebenso vermerkt wie heute eher belanglose Vorkommnisse, welche aber die Zeitgenossen beschäftigt, erfreuten, ärgerten oder mit Sorge erfüllten.
Eine solche Zusammenstellung kann nie Vollständigkeit anstreben. Manches wurde bewusst weggelassen: so das Wirken verschiedenen Persönlichkeiten im Dorf und deren Lebensdaten. Auch die Gründung von Firmen und Geschäften konnte nicht lückenlos erfasst werden. In der Regel werden ältere und grössere Betriebe erwähnt, oder solche, die für das Dorf eine spezielle Bedeutung bekamen.
Das Büchlein ist in erster Linie zum Schnuppern und Nachschlagen gedacht. Die rund tausend zusammengetragenen Daten zeugen von vielfältiger Entwicklung und zeigen, wie aus dem Dorf des beginnenden 19. Jahrhunderts durch die Ideen, den Einsatz und die Arbeit vieler das moderne Wädenswil an der Schwelle zum 21. Jahrhundert entstanden ist.


Peter Ziegler


1 Blick auf Wädenswil, um 1800. Federzeichnung eines nicht namentlich bekannten Künstlers.

Die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts

1800
Johann Thomas Lutz eröffnet im leerstehenden Landvogteischloss ein Erziehungsinstitut für Knaben.

1802
Föderalisten und Unitarier, die sich zu Beginn der Epoche der Helvetik in der Gemeinde erbittert bekämpft haben, söhnen sich aus und unterzeichnen eine Vereinbarungsurkunde, welche alles Geschehene tilgt und an das gegenseitige Vertrauen appelliert.

1803
Am 3. Juli werden erstmals drei Friedensrichter gewählt. Je einer für das Dorf, den Berg und die Au.

1804
Wädenswil wird Zentrum des Oberamtes Wädenswil der Restaurationszeit, das in der Ausdehnung dem heutigen Bezirk Horgen entspricht.
Der von den Wädenswilern geforderte Treue-Eid gegenüber der Verfassung und der Zürcher Regierung stösst am 16. März auf breite Ablehnung.
Über die Zürcher Regierung erzürnte Wädenswiler stecken am 24. März das leerstehende Landvogteischloss Wädenswil in Brand. Die Zerstörung des obrigkeitlichen Gebäudes löst den Bockenkrieg aus, einen – gescheiterten – bewaffneten Aufstand der Leute am Zürichsee gegen das konservative Regime.

2 Brand des Landvogteischlosses Wädenswil, 1804. Zeichnung von J. Aschmann, Thalwil.

1806
Gründung einer Privatschule; der Schneiderschen Primarschule und der Fierzischen Französischschule.

1808
Gründung einer «Donnerstag-Gesellschaft» mit dem Ziel, gemeinnützig tätig zu sein und die Geselligkeit zu pflegen.

1811
Bau des Hauses «Freihof», des heutigen Stadthauses, als Fabrikgebäude der Baumwollspinnerei Blattmann, Diezinger & Co.

1812
Schönenberg, das bis 1703 zu Wädenswil gehört hat, wünscht den Auskauf für den Anteil am Gemeindehaus und am politischen Gemeindegut von Wädenswil. Schönenberg bekommt einen Viertel des Wertes, dafür gehen Gemeindehaus («Sonne»), Gemeindemetzg und Gemeindeplatz ins alleinige Eigentum von Wädenswil über. Das Schulhaus Mittelberg und der Geerenplatz verbleiben weiterhin beiden Gemeinden gemeinsam.

1813
Als erste Gemeinde am linken Zürichseeufer erhalten Wädenswil auf den 1. Dezember ein eigenes Postbüro.

1814
Der alte Gemeindebrunnen unterhalb der Kirche wird ersetzt. Nach dem Neubau des Gemeindehauses Sonne (1821/22) kommt der Name «Sonnenbrunnen» auf.
In der Gemeinde Wädenswil zählt man 490 Wohnhäuser.

1815
Am 25-Jahr-Jubiläum der Lesegesellschaft zeichnen mehrere Personen Geldbeträge für die Anschaffung einer Orgel in die Kirche Wädenswil.

1816
Nach den Plänen des Zürcher Architekten Hans Conrad Stadler wird mit dem Wiederaufbau des 1804 abgebrannten Schlossgebäudes begonnen.
Die Donnerstag-Gesellschaft gründet eine Sparkasse mit dem Ziel, Leute aus ärmeren Volksschichten zum Sparen anzuhalten und sie so vor Not und Verarmung zu schützen.
Um Teuerung und Hungersnot zu bekämpfen, lässt der Stillstand (Kirchenpflege) vom 19. September an bis Ostern 1817 täglich eine Armensuppe ausschenken. In den Monaten November und Dezember werden insgesamt 6750 Portionen Suppe abgegeben.

1817
Gemeinderat und Stillstand (Kirchenpflege) erwägen den Bau eines «Armen- und Erziehungshauses». In der Zwischenzeit dient das Dorfschulhaus am Fuss des Kirchenhügels (am Standort des späteren «Rosenhofs») als provisorisches Armenhaus und geherbergt bald 50 Personen.

1818
Bau eines Schulhauses in Stocken, nach Plänen des Zürcher Architekten Hans Conrad Stadler.
Am 5. Mai wird mit dem Bau des Armenhauses am Plätzli begonnen; die Aufrichte erfolgt am 7./8. August; Ende Dezember ziehen gegen 90 Personen aller Lebensalter in den vierstöckigen Neubau ein.
Oberamtmann Hotz bezieht mit seiner Familie das fertiggestellte Schlossgebäude.

3 Armenhaus am Plätzli, erbaut 1818. Foto E. Schlenker, Wädenswil. 4 Dorfschulhaus, abgebrochen 1819, am Standort des heutigen «Rosenhofs».

1819

Seit der Fertigstellung des neuen Friedhofs unterhalb der Leigass (Platz der heutigen Sportanlage Eidmatt zwischen Oberdorfstrasse und Neuem Eidmattschulhaus) im April wird auf dem ursprünglichen Friedhof bei der reformierten Kirche nicht mehr beerdigt.
Am 24. Mai wird das hölzerne Dorfschulhaus unterhalb des Pfarrhauses niedergerissen. An seiner Stelle entsteht ein neues, drei Etagen hohes Schulhaus (heute Haus «Rosenhof»).

1820
Der Gemeinderat legt den Bürgern das Projekt vor für den Bau eines neuen Gemeindehauses am Rande des Gemeindeplatzes nördlich der Kirche (Haus «Sonne»).

5 Gemeindehaus bei der Kirche, abgebrochen 1821. Zeichnung von G. Werner.

1821
Vom 12. bis 14. Februar wird das aus dem 16. Jahrhundert stammende hölzerne Gemeindewirtshaus bei der Kirche niedergerissen. Sofort beginnt man, teils in Frondienst, mit dem Bau des neuen Gemeindehauses (Haus «Sonne»). Gleichzeitig legt man den Töbelibach in ein schmaleres, aber tieferes Bett und korrigiert die Strasse, welche bisher durchs Bachbett geführt hat.
Im Mai wird im erweiterten Schützenstand (beim späteren «Seehof») ein Freischiessen abgehalten.
Am 23./24. November wird die Wolltuchfabrik Hauser & Fleckenstein am Reidbach, mit deren Bau im August begonnen worden ist, aufgerichtet und 1822 in Betrieb genommen.

1823
In der «Krone» logieren im März und April auf Kosten der Gemeinde griechische Flüchtlinge.

1825
Die Zürcher Sanitätsdirektion empfiehlt jüngeren und älteren Wädenswilern die Schutzimpfung gegen Pocken.

1826
Gründung der Brauerei Wädenswil.
Gemäss Beschluss der Gemeindeversammlung vom 26. Februar wird die alte Winterhaabe (sie lag etwa zwischen heutigem «Merkur» und kleinem Landesteg am Seeplatz) zu einer Lände umgestaltet, die sowohl dem Sommer- als auch dem Winterverkehr genügen kann.
Am 8. Oktober wird in der reformierten Kirche die erste Orgel eingeweiht, ein Werk der Herren Schiltknecht & Bergmann in Donaueschingen.

1827
Der Dichter Johann Jakob Reithard eröffnet in Wädenswil eine höhere Privatschule für Knaben und Mädchen.
Aus Wädenswil treten acht Personen der neu gegründeten Hagel-Versicherungs-Anstalt bei.

1828
Eine Versammlung aller Grundeigentümer beschliesst, den Zehnten loszukaufen und wählt aus den Wachten Dorf, Berg und Ort je acht Bürger für den Vollzug.
Die Gemeindeversammlung beauftragt den in Wädenswil wohnenden Geometer Rudolf Diezinger (1770–1847) mit der Ausarbeitung von Zehntenplänen, als Grundlage für den beabsichtigten Zehntenloskauf.

1829
Ende Januar wird im Abschnitt Sagenrain bis Seeferen mit dem Bau der neuen Landstrasse (Seestrasse) begonnen.
Nachdem die neue Feuerspritze eingetroffen und deren Leistungsfähigkeit geprüft worden ist, wird die alte Spritze nach Hütten verkauft.
Mechaniker Ulrich Schenk in Bern erhält von der Gemeinde Wädenswil den Auftrag, eine neue Feuerspritze zu liefern.