1850er und 1860er Jahre: Neue Vereine entstehen

Quelle: Wädenswil 1800 bis 1991, Publikation 1991 von Peter Ziegler

1850

Die kantonalen Münzen werden durch eidgenössisches Geld im Dezimalsystem ersetzt.
Im «Hirschen» finden sich Schweizer Bürger zur Gründungsversammlung eines «Grütlivereins zum Zweck der Bildung, Belehrung und Unterhaltung» ein.
Gründung eines Begräbnisvereins mit dem Ziel, den Nachbarn den Kirchgangladerdienst und den Hinterlassenen die Beerdigungs-Anordnungen abzunehmen.
Die Eidgenössische Volkszählung ergibt für Wädenswil folgende Zahlen: 5617 Einwohnerinnen und Einwohner, davon 3214 Gemeindebürgerinnen und -bürger; 5663 Reformierte und 178 Katholiken; 602 Grundeigentümer.

1851
Gründung des Männerchors Eintracht.
Seit 1808 sind die Finanzkompetenzen des Gemeinderats gleichgeblieben. Nun werden sie von 128 Franken auf 1000 Franken erhöht.

1852
Die Gemeinde kauft Land zur Vergrösserung des Friedhofs ob der Kirche.
12 Friedhof ob der Kirche, um 1920.

1853
Seit dem 1. Januar wird ein täglicher zweispänniger Postkurs Wädenswil–Zug geführt.
Am 4. Januar wird die erste gedruckte Todesanzeige in die Wädenswiler Häuser vertragen. Damit verschwindet die alte Sitte des Leidansagens durch die Kirchenlader.
Die privaten Laternenbesitzer schliessen sich in einer «Dorfbeleuchtungsgesellschaft» zusammen und stellen einen Laternenanzünder an.
Auf Initiative der Herren Brupbacher zum Holderbaum, J. Hauser zum Schafteck, Lehrer H. Blattmann und Leutnant J. Billeter entsteht als Aktiengesellschaft ein Kadettenkorps.
Am 1. April wird in Wädenswil ein Telegrafenbüro eröffnet.
13 Kadettenkorps Wädenswil, 1906. Foto E. Listenow, Wädenswil.

1854

Gründung des Arbeiter-Krankenvereins.
Auf Initiative von Lehrer J.J. Egg wird an der Sekundar- und Repetierschule Wädenswil der Turnunterricht eingeführt.

1855
Gründung der Lesegesellschaft Langrüti.
Gründung des Handwerker- und Gewerbevereins Wädenswil.

1856
Vom 1. Januar an dürfen auch in Wädenswil auf öffentlichen Märkten und in den Läden folgende Lebensmittel nur noch nach Gewicht und nicht mehr nach Laib, Sack, Mass usw. verkauft werden: Brot, Mehl, Getreide, Hülsenfrüchte, Obst, Kartoffeln, Milch und Öl.
Eine Pockenepidemie fordert mehrere Todesopfer.
Die Sparkasse veräussert das Gasthaus «Krone» an die Gebrüder Zinggeler. Diese lassen das wohl älteste Wirtshaus im Dorf eingehen und eröffnen in der Liegenschaft ein Seidenfabrikationsgeschäft.
Gründung einer Handwerks- und Gewerbeschule.
Gründung des Feldschützenvereins Wädenswil.
Gründung der Stärkefabrik Blattmann.
Am 6. Dezember wird im «Seehof» über die Gründung eines Landwirtschaftlichen Vereins beraten. Dieser konstituiert sich am 14. Dezember als «Verein für Landwirtschaft und Gartenbau».

1857
Am 13. Juni versammeln sich im «Seehof» die Interessenten einer Sihl- und Seetalbahn zur Besprechung aktueller Angelegenheiten.
Im Juli wird vorhalb der «Weinrebe», unterhalb dem «Friedegg», die erste öffentliche Seebadanstalt eröffnet. Sie hat nur ein Bassin. Die Badezeit von morgens 6 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit wird streng unterteilt für Buben und Mädchen, für erwachsene männliche und weibliche Personen. «Zwecks besserer Absonderung» wird bereits eine Erweiterung der Badanstalt geplant.
Die gemeinderätliche Kommission erwirbt für den Bau eines Schiessstandes das Leuthold-Heimwesen am Rotweg.

1858
Ab Neujahr erscheint der «Allgemeine Anzeiger vom Zürichsee» dreimal wöchentlich.
Am 23. Februar verlegt man den Scheibenstand vom Kronenbach auf den neuen Platz ob dem Rotweg (Gegend der heutigen Schützenmattstrasse).

1859
Am 26. Juni wird das Schützenhaus am Rotweg eingeweiht.

14 Schützenhaus am Rotweg, 1903.

1860
Gründung des Frauenvereins Ort zur Überwachung der Arbeitsschule durch wöchentliche Inspektion.
Für die Anschaffung je einer Feuerspritze für die Dorf- und Ortswacht wird ein Kredit von 3000 Franken bewilligt.
Zum ersten Mal wird in Wädenswil – wie im ganzen Kanton – statt des Hohen Donnerstags der Karfreitag mit Abendmahl und zwei Passionspredigten begangen (Synodalbeschluss vom 1. November 1859).
Die Eidgenössische Volkszählung ergibt für Wädenswil 5756 Einwohnerinnen und Einwohner und 1256 Haushaltungen in 710 Wohnhäusern.

1861
Die reformierte Kirchgemeinde stellt einen Pfarrhelfer an.
Im Bezirk Horgen läuft die Aktienzeichnung für den Bau einer linksufrige Seebahn an.
Die bisher Stillstand genannte Kirchenbehörde heisst fortan Kirchenpflege.
Die Gemeindeversammlung beschliesst die Erstellung einer Landanlage bei der alten Gemeindehaabe (vgl. 1826), die als Promenade der Gemeinde zur Zierde gereichen soll.
Wädenswil erhält die beiden im Vorjahr bestellten Feuerspritzen: die von Herrn Bodmer in Neftenbach verfertigte Saugspritze für den Dorfrayon und die von den Gebrüdern Gimpert in Küsnacht gebaute Spritze für die Sektion Ort.
Am 12. Mai beschliesst die Gemeindeversammlung die Anschaffung einer neuen Kirchenuhr und eines Zeigerwerks mit Minutenanzeiger, das Streichen und Ausbessern der Stukkaturen sowie den Erwerb von farbigen Kirchenfenstern für die Kanzelfront.
Am 30. Juni und 1. Juli wird in Wädenswil das Kantonale Turnfest durchgeführt. Es findet erstmals auf der Landschaft statt.
Ende Juli bricht in einer regnerischen Nacht der Damm des Reidbachweihers. Die Wassermassen richten in der Tuchfabrik Fleckenstein-Schulthess grossen Schaden an.

1862
Mit Erde, die man in den Gärten unterhalb des «Sonnenplatzes» und ob dem «Hirschen» abträgt, wird im Januar beim «Engel» die neue Landanlage erstellt.
Anfangs September bauen die Uhrmacher Gebrüder Ungerer aus Strassburg die neue Kirchturmuhr ein.
Laut Statistik des Landwirtschaftlichen Vereins zerfällt die 5062 Jucharten grosse Gemeinde Wädenswil in 120 Jucharten Rebland, 460 Jucharten Waldboden, 258 Jucharten Ried, 3980,5 Jucharten Feld und Wiesen, 104 Jucharten Wege und Strassen, 95 Jucharten Gebäudegrundfläche, 14,8 Jucharten stillliegendes Wasser, 17,2 Jucharten fliessendes Wasser und 12,5 Jucharten unwirtliches Land.

15 Reformierte Kirche, Turmuhr von 1862 aus der Firma Gebrüder Ungerer, Strassburg.

1863
Johann Erzinger gründet in Wädenswil eine Bürstenfabrik.
Der Gemeinderat veröffentlicht am 17. Januar ein Verzeichnis der Strassen und Fusswege. Danach gibt es im Dorf zwei Strassen zweiter Klasse, fünf Strassen dritter Klasse, dreissig Strassen vierter Klasse und 93 öffentliche Fusswege.
Anfangs September wird eine Leihkasse gegründet (später Bank Wädenswil, heute SKA), mit dem Zweck, «einerseits dem geldbedürftigen Publikum und anderseits demjenigen, der seine Barschaft momentan zinstragend plazieren will, in rascher und solider Weise an die Hand gehen».
Die Kirchgemeinde beschliesst am 27. September, den mittleren Teil des alten Friedhofs bei der Kirche aufzuheben und abzutragen.
Gründung einer «Zehrpfennig-Kasse» zur Unterstützung von Handwerksburschen.
16 Friedhof bei der Kirche, aufgehoben 1863. Zeichnung (Ausschnitt) von J. J. Hofmann, 1771.

1864

Die Gemeindeversammlung beschliesst den Bau der Eintrachtstrasse und der Einsiedlerstrasse.

1865
Verena Eschmann und Julius Hauser gründen den Evangelischen Verein nahestehende Sonntagsschule.
Zur Erweiterung des Dampfschiff-Landungsplatzes erwirbt die Gemeinde von Herrn Bachmann «zum Bellevue» ein Stück Land am Seeufer.
Vorhalb dem Rothaus soll gemäss Beschluss der Gemeindeversammlung eine Landanlage erstellt werden, mit Erde, die beim Bau der Reidholzstrasse (Einsiedlerstrasse) anfällt.
Julius Hauser baut sein Ökonomiegebäude ob der Kirche in ein Lokal für Gottesdienste des Evangelischen Vereins um.

1866
Gründung der Lesegesellschaft Ort.
Einweihung des ersten Gasthauses auf der Halbinsel Au, in dem um 1900 Molkenkuren angeboten werden.
Für die Bezirkswahlen werden Wahlbüros eingeführt, und zwar je eines im Dorf und in den Sektionen Ort, Stocken, Langrüti und Spitzen (das damals noch zu Wädenswil gehört).
Anlässlich einer Viehzählung werden in Wädenswil registriert: 2 Fohlen, 7 Zuchtstuten, 106 Stuten und Wallachen, 13 Zuchtstiere, 1078 Kühe, 45 trächtige Rinder, 31 Mast- und Zugochsen, 107 Stück Jungvieh, 99 Kälber, 13 Mutterschweine, 336 Ferkel, 54 Schafe und 53 Ziegen.
17 «Hotel und Pension Au», eröffnet 1866. Postkarte von E. Schlenker, Wädenswil.

1867

Unter dem Namen «Cercle français» entsteht in Wädenswil eine Gesellschaft, die sich durch Konversation und Lektüre in der französischen Sprache weiterbilden will.
Das neue vierstöckige Sekundarschulhaus soll hinterhalb der «Sonne» gebaut werden und nicht in der Eidmatt oder auf der Wiese bei der Alten Kanzlei (Areal der heutigen Seidenweberei Gessner).
Zwischen Wädenswil und dem Wallfahrtsort Einsiedeln verkehrt seit anfangs Juni täglich ein Postkutschenkurs.
An der Chilbi im August feiert Wädenswil den hundertsten Jahrestag der Einweihung der reformierten Kirche. Das Gotteshaus ist auf diesen Zeitpunkt hin aussen und innen renoviert, der Kirchhof bedeutend erweitert worden. Einweihung der von Kuhn & Speich in Männedorf gebauten zweiten Orgel.
Sekundarlehrer Johann Heinrich Kägi hat eine «Geschichte der Herrschaft und Gemeinde Wädenswil» verfasst, welche zum Kirchenjubiläum erscheint.
Johann Hauser gründet eine Lack- und Firnisfabrik und legt den Grundstein zur heutigen Hauser Farben AG.

1868
Die 1834 gegründete Pferdehaarspinnerei Schnyder bezieht den Neubau an der Einsiedlerstrasse.
Die als Aktiengesellschaft gegründete «Speditionsgesellschaft Wädenswil» eröffnet am 15. Juli den Betrieb und besorgt fortan täglich den Güterverkehr zwischen dem Zürcher Kaufhaus und der Sust in Wädenswil.
Am 17. August wird das Sekundarschulhaus bei der «Sonne» bezogen.

1869
Am 1. Februar vereinigen sich die Chöre «Eintracht» und «Sängerbund» zum Verein «Eintracht Wädenswil».
Die Gemeinde deckt erstmals das Defizit der privaten Strassenbeleuchtungs-Gesellschaft in Wädenswil.
Gründung eines schon lange angestrebten Allgemeinen Krankenunterstützungsvereins.
Im Oktober verbietet der Gemeinderat im amtlichen Publikationsorgan, dem «Allgemeinen Anzeiger vom Zürichsee», Abraum oder Kehricht auf die Strassen im Dorf zu werfen.