Ereignisreiche 1830er Jahre

Quelle: Wädenswil 1800 bis 1991, Publikation 1991 von Peter Ziegler

1830

An der Volksversammlung in Uster von 22. November, welche eine neue liberale Kantonsverfassung beschliesst, nehmen verschiedene Wädenswiler teil. Einem der Redner, dem Mitbürger Johann Jakob Steffan (1790–1859), wird in Wädenswil ein begeisterter Empfang bereitet.
Drei hiesige Gesellschaften, die Montag-, Mittwoch- und Donnerstag-Gesellschaft, unternehmen gemeinsam eine Hilfsaktion für die in Wädenswil wohnenden Armen. Sie kaufen Hol, Torf und Stauden ein und verteilen das Brennmaterial unter die Bedürftigen.
6 Wädenswil um 1830. Ausschnitt aus dem Zehntenplan von Rudolf Diezinger.

1831

Am 20. März wird in der Kirche Wädenswil – wie im ganzen Kanton – über die neue Staatsverfassung abgestimmt. 916 Stimmberechtigte heissen die Verfassung gut, 5 verwerfen sie. Die neue Kantonsverfassung schafft neben Kirchgemeinde und Zivilgemeinde neu die politische Gemeinde. Ihre Behörden sind der Gemeindepräsident, der Gemeinderat, der Gemeindeschreiber und die Friedensrichter.
An der Stelle des Oberamts Wädenswil tritt der Bezirk Horgen mit Horgen als Bezirkshauptort.
Am 10. April leisten die Wädenswiler, wiederum in der Kirche, den Eid auf die neue Kantonsverfassung.
An der Gedenkfeier für den Ustertag zeichnen «Freund der Jugendbildung» Aktien für die Gründung einer privaten höheren Schule in Wädenswil, der späteren Sekundarschule.

1832
Die Schlossgebäude, die zuletzt dem Oberamtmann gedient haben, werden am 9. Juni samt Umschwung dem Leutnant Johannes Hürlimann von Richterswil verkauft. Sie bleiben bis 1889 Privatbesitz.
Am 12. Juni wird im «Freihof» als Aktiengesellschaft eine private Sekundarschule eröffnet. An der neuen «Lehranstalt» wirken Carl Theiler von Wädenswil, F. Créaturaz von Moudon, Herr Rensi von Wien und Carl Wirz, Sohn des Wädenswiler Pfarrers.

1833
Seit etwa 30 Jahren steht mitten im Fussweg, der vom «Hirschen» zur «Reblaube» hinunterführt, ein grosser Stein, welcher verhindert, dass der Fussweg als Fahrweg benützt wird. Der Marmorblock wird entfernt und durch eine «Stud mit einer Verbotstafel» ersetzt.
Die Dorfschulgemeinde Wädenswil erwirbt durch Beschluss vom 1. Dezember vom Staat Zürich das vor der südöstlichen Kirchhofmauer gelegene Pfarrmattli, das bisher vom Pfarrer bewirtschaftet worden ist, als Bauplatz für das «Alte» Eidmattschulhaus.

1834
Bau der Seestrasse von der Zehntentrotte (bei der Einmündung der Schlossgass) bis zur Grenze mit Richterswil.
Die Stimmbürger der Dorfschulsektion beschliessen am 1. Juni, auf dem kürzlich angekauften Pfarrpfrundgut ein neues, dreistöckiges Schulhaus (heutiges Altes Eidmattschulhaus) zu bauen.
Die Kirchenumgebung wird umgestaltet. An mehreren Stellen setzt man Akazien, «an welchen aber einige Gemeindebürger Anstoss nehmen».
7 «Altes» Eidmattschulhaus, eingeweiht 1835. Zeichnung von Adolf Honegger, 1867.

1835
Die Wädenswiler Gemeindegrenzen werden bereinigt und neu vermarcht. Es gilt nun unter anderem folgender Grenzverlauf: zwischen Wädenswil und Richterswil der Giessen-Wildbach und der Reidbach bis ob dem Sennweidholz; zwischen Wädenswil und Hirzel der Lauf des Sprürmühlebaches und des Rotbaches bis zur Spitzen-Brücke.
Die neue Seestrasse ist im Abschnitt Staubenweidli – Zehntentrotte (beim Grüenehof) fertiggestellt.
Neubau des Gasthofs «Engel».
Der Staat Zürich verkauft am 23. Juni die Halbinsel Au samt dem Eichenwald und dem Rebberg auf der zweiten Gant an Konrad Stünzi von Horgen.

8 Hotel Engel mit Haabe, 1876. Rechts das Baugespann für den 1878 eingeweihten Saalbau.

1836
Das leerstehende alte Schulhaus unterhalb dem Pfarrhaus («Rosenhof») wir den Seidenfabrikanten Blattmann, Kunz & Co. verkauft
Die Schulsektion Wädenswil-Mittelberg, später Langrüti geheissen, baut auf Langrüti ein Schulhaus.
Die 1808 gegründete Donnerstag-Gesellschaft löst sich auf; man beschränkt sich fortan auf die Weiterführung der «Ersparungs-Cassa».
Anlässlich einer Eidgenössischen Volkszählung registriert man in Wädenswil 4870 Einwohnerinnen und Einwohner. Ein Viertel sind Ansässen, also keine Gemeindebürger.
Die Finanzkommission des Staates Zürich bestätigt der Gemeinde Wädenswil am 11. November in einer Urkunde, dass sich die hier wohnenden Grundeigentümer von der Zehntenpflicht losgekauft haben.

1837
Im August steckt Ingenieur Negrelli den Strassenzug von Wädenswil nach Sihlbrugg (Zugerstrasse) aus.

1838
Gottfried Blattmann eröffnet beim «Ochsen» eine Bauspenglerei, aus der sich die heutige Metallwarenfabrik Blattmann AG entwickelt.
Eröffnung einer privaten Kleinkinderschule, in die sogleich 60 Kinder eintreten.
Laut Grossratsbeschluss vom 27. September sind die Lehrer im Kanton Zürich vom Vorsingerdienst in der Kirche befreit. In Zukunft wählt in Wädenswil die Gemeindeversammlung einen Vorsänger.

1839
Bau der Seestrasse von der Sust bis zur Zehntentrotte.
Die Auseinandersetzung zwischen Konservativen und Liberalen bringt in Wädenswil Zwietracht in viele Familien.