Quelle: Wädenswil 1800 bis 1991, Publikation 1991 von Peter Ziegler
1880
Das Areal der Kirchenumgebung wird planiert und tiefergelegt. Die hohen Kirchhofmauern werden teilweise abgetragen und durch einen Eisenzaun ersetzt.
Gründung eines «Verschönerungsvereins für Wädenswil und Umgebung» mit dem Ziel, Anlagen, Aussichtspunkte und Spazierwege zu verschönern und Ruhebänke aufzustellen.
Einführung des fakultativen Italienisch-Unterrichts an der Sekundarschule.
Die Volkszählung ergibt folgende Resultate: 6209 Einwohnerinnen und Einwohner; 5740 Protestanten, 421 Katholiken, 45 Angehörige anderer Bekenntnisse; 7545 bewohnte Häuser und 1392 Haushaltungen und 5499 bewohnten Räumen.
Am 31. Dezember wird dem Gemeinderat ein Krankentransportwagen abgeliefert, ein gemeinsames Geschenk von Krankenverein, Sparkasse, Leihkasse, Pestalozziverein und Speditionsgesellschaft.
1881
Am diesjährigen Fasnachtsumzug, organisiert von der X-Gesellschaft werden Bilder aus der Wädenswiler Geschichte zwischen 1200 und 1798 dargestellt.
In Wädenswil wird ein freiwilliges Feuerwehrkorps gebildet. Es stellt sich die Aufgabe, seine Mitglieder durch öftere, regelmässige Übungen für alle Ernstfälle vorzubereiten.
Die Dorfschulpflege entspricht einem Gesuch von rund 450 Katholiken und stellt das Kleinkinderzimmer im Dorfschulhaus als Gottesdienstlokal zur Verfügung. Vom 6. November an wird jeden Sonntag katholischer Gottesdienst gehalten.
Wädenswil zählt 35 Wirtschaften, die so stark frequentiert werden, dass ein zweiter Nachtwächter angestellt werden muss.
Gründung der Sektion Wädenswil des Verbandes Reisender Kaufleute der Schweiz.
1882
Im Dorf gibt es 13 öffentliche Metzgereien, im Berg deren zwei.
Eine Verordnung des Bundesrates vom 29. November 1876 verlangt, dass auf den Schiessplätzen auf 400 Meter Distanz geschossen werden kann. Der Stand am Rotweg weist eine kleinere Distanz auf. Seit mehreren Jahren werden Schiessübungen auf Neubüel abgehalten. Die Gemeinde ist auf der Suche nach neuen Schiessplätzen, unter anderem im Grüental und oberhalb des Tiefenhofs.
Im Neuwiesenquartier wird die mechanische Seidenstoffweberei Gessner vollendet.
1883
Am 1. Juni wird in Wädenswil ein Telefonbüro eröffnet, das für die zehn Abonnenten telefonische Verbindungen mit Horgen, Thalwil und Zürich herstellen kann.
Gründung eines Ornithologischen Vereins Wädenswil und Umgebung.
Gründung des Musikvereins Harmonie.
Adolf Stutz-Spühler eröffnet an der Zugerstrasse eine Druckerei und gibt am 24. November die erste Nummer der zweimal wöchentlich erscheinenden «Nachrichten vom Zürichsee» heraus.
23 Kopf der 1883 gegründeten «Nachrichten vom Zürichsee».
1884
In Wädenswil wohnende Unteroffiziere schliessen sich in einem Unteroffiziersverein zusammen.
Der «Infanterie-Schiessverein» nennt sich neu «Militärschiessverein».
Die Friedenrichterkreise Dorf und Ort werden vereinigt.
Am 31. August konstituiert sich die «Allgemeine Musikgesellschaft». Ihre Aktivmitglieder scheiden sich in einen Orchesterverein und einen Harmonieverein. Eine 1882 im Männerturnverein vorgebrachte Idee ist verwirklicht.
Ein neu eingeführter Schnellzug Paris–Wien hält in Basel, Brugg, Zürich, Wädenswil, Wesen und Buchs.
Das Kulturland der Gemeinde Wädenswil, total 1706,3 ha, gliedert sich wie folgt: 1305,4 ha Wiesland, 134,8 ha Wald, 124,7 ha Ackerboden, 81 ha Ried, 60,4 ha Reben.
1885
Am 28. Juni wird der erweiterte Schiessplatz am Rotweg eingeweiht.
Am 1. August wird nach den Plänen des Wädenswiler Architekten Karl Schweizer mit dem Bau des Krankenasyls an der Schönenbergstrasse begonnen; in den ersten Novembertagen richtet man den Dachstuhl auf.
Die kleinste Glocke im Turm der reformierten Kirche wird umgegossen.
1886
Gründung der Lesegesellschaft Ort.
Die Sekundarschule Wädenswil–Schönenberg feiert am 27. Juni ihr 50jähriges Bestehen.
Die Seifenfabrik Sträuli bezieht einen Neubau an der Einsiedlerstrasse.
Am 6. November ist das Krankenasyl vollendet; am 14. November wird es eingeweiht.
Das Eidgenössische Post- und Eisenbahndepartement schafft auf den 1. Dezember die Postablage «Au bei Wädenswil».
24 Krankenasyl, eingeweiht 1886.
1888
Der 1880 gegründete Verschönerungsverein hat seine Tätigkeit wegen Geldmangel bald wieder eingestellt. Im Juli wird der Verein neu gegründet.
Erstellung einer Warmluftheizung in der reformierten Kirche.
Anlässlich der Volkszählung vom 1. Dezember ermittelt man in Wädenswil 6338 Einwohnerinnen und Einwohner sowie 684 Häuser mit 1417 Haushaltungen.
Am 13. Dezember wählt die Bundesversammlung den Wädenswiler Walther Hauser mit 117 Stimmen bei einem absoluten Mehr von 88 Stimmen zum Bundesrat.
An Weihnachten führt ein von Pfarrer Jakob Pfister angeregter Kirchengesangsverein in der reformierten Kirche eine Kantate auf. Im Januar 1889 gibt sich der Kirchengesangsverein Wädenswil, der seit 1991 «Kirchen- und Oratorienchor Wädenswil» heisst, Statuten.
1889
Gründung des Allgemeinen Arbeiterbildungsvereins.
Neun Wädenswiler Bauern gründen die Viehzuchtgenossenschaft.
Gründung einer «Sektion Wädenswil des Schweizerischen Verein vom Roten Kreuz».
Gründung des Blaukreuz-Vereins Wädenswil.
Im Oktober fusionieren die Eisenbahngesellschaften Wädenswil-Einsiedeln und Zürichsee-Gotthardbahn zum Unternehmen «Schweizerische Südostbahn», das die Bahnlinien Pfäffikon–Samstagern sowie Biberbrugg–Arth-Goldau erstellen will.
1890
Der Kantonsrat beschliesst am 27. Januar die Gründung einer Ostschweizerischen Obst-, Wein- und Gartenbauschule und bestimmt das ehemalige Landvogteischloss Wädenswil als deren Sitz.
Die Gemeindeversammlung vom 3. August beschliesst, das zweigeschossige Haus Sust um ein Stockwerk zu erhöhen und hernach der Südostbahn zu vermieten.
Am 9. September wird das Neue Eidmattschulhaus eingeweiht, ein Bau des Wädenswiler Architekten Karl Schweizer.
Gründung des Katholischen Kirchenchors.
Gründung des Veloclubs Wädenswil.
1891
Auf Anregung von Schützen aus dem Wädenswiler Berg wird ein «Freiwilliger Schiessverein» gegründet. Er soll den schiesspflichtigen Militärs «auf möglichst billige Weise Gelegenheit bieten, ihre obligatorische Schiesspflicht zu erfüllen».
Das neu gegründete Heilsarmeekorps Wädenswil mietet als Versammlungsort das Haus «Liebegg» an der Zugerstrasse.
Im Frühling wird als Untersektion der Sektion Uto des Schweizerischen Alpenklubs die «Wädenswiler Vereinigung Hoher Rohn» gegründet (heute SAC Sektion Hoher Rohn).
Am 23. März wird ein Verein für Gemeindekrankenpflege gegründet. Ab 1. Mai ist «eine wohlerprobte Diakonisse bereit, bei unbemittelten Kranken, denen die Wohltat der Aufnahme im Asyl nicht zuteil werden kann, überall da Hilfe zu leisten, wo die häusliche Pflege unzureichend ist».
Am 14. Mai wird unter Direktor Hermann Müller-Thurgau im Schloss die Deutschschweizerische Versuchsstation und Schule für Obst-, Wein- und Gartenbau eröffnet.
In den Sommerferien führt der Pestalozziverein als Versuch mit acht Knaben und zwölf Mädchen in Hütten eine Ferienkolonie durch.
Am 1. August gedenkt die Eidgenossenschaft der vor 600 Jahren erfolgten Gründung. Auch in Wädenswil findet erstmals eine Bundesfeier statt.
1892
Bisher ist zur Vesperzeit mit allen Kirchenglocken geläutet worden. Seit Neujahr wird am Samstag- und Sonntagabend das Läuten mit allen Glocken auf die Zeit des «Betglockenläutens» verlegt: «Ein volleres Geläute am Schluss der Wochenarbeit rufe die Gemüter mehr zur Sammlung für den kommenden Sonntag.»
Auf Weisung des Zürcher Staatsarchivs wird ein Gemeindearchiv geschaffen.
Gründung des Männerchors «Arbeiter Sängerbund».
1893
Die Gemeinde Evangelisch Taufgesinnter eröffnet im Weiler «Scheller» in der Au ein Altersasyl.
Seit dem 8. Februar besteht eine direkte Telefonverbindung mit Zürich und Richterswil. Die neue Telefonstation befindet sich im Haus des Goldschmieds Hess an der Ecke Seestrasse/Zugerstrasse.
Zum dritten Mal innert 25 Jahren wird ein «Cercle français» gegründet.
Im Mai macht der Bierfloss-Schlepper «Gambrinus» der Brauerei Weber, ein bei Escher Wyss gebauter kleiner Dampfer, seine ersten Fahrten auf dem Zürichsee.
Am 29. Mai konstituiert sich die von den Wädenswiler Wolltuchfabrikanten Walter und Jakob Treichler angeregte «Aktiengesellschaft Elektrizitätswerk an der Sihl» zum Bau des Sihlkraftwerks Waldhalde.
Die Kirchenpflege strebt die Freigabe der Kirchenörter in der reformierten Kirche an und verzichtet auf die traditionelle Vergantung der Kirchenstühle am Kirchweihmontag. Die Plätze werden als Freistühle bezeichnet. Seit einiger Zeit erwirbt die Kirchenpflege zum Kauf angebotene Kirchenörter.
Als Ersatz für den Schiessplatz Rotweg wird ein Projekt erarbeitet für einen Schiessstand in den Gisenrüti. Es wird nicht ausgeführt. Dafür genehmigt die Gemeindeversammlung vom 10. Dezember das Projekt eines Schiessstandes im Steinacher.
1894
Das sich die Nordostbahngesellschaft dem Dampfbootverkehr auf dem Zürichsee nur mangelhaft angenommen hat, wird die «Dampfbootgesellschaft Wädenswil» gegründet, eine Aktiengesellschaft, welche für bessere Schiffsverbindungen mit der Hauptstadt sorgt.
Im Dorfrayon werden die Häuser nach Strassen mit Nummern versehen.
Am 3. Mai wird der Schiessstand Steinacher eingeweiht.
Auf Antrag der Gesundheitskommission soll der Kehrichtwagen vom Juli bis September wöchentlich zweimal durchs Dorf fahren.
1895
Wädenswil wird zur selbständigen katholischen Pfarrei erhoben.
Die Gemeinde erwirbt von der Nordostbahngesellschaft den Landesteg der Dampfboote und das Wartehäuschen auf dem Gemeindeplatz (Seeplatz).
Auf den 1. Juli wird in der reformierten Kirchgemeinde eine zweite Pfarrstelle geschaffen.
Am 23. Juli macht das von Escher Wyss gelieferte Dampfschiff «Wädenswil» der «Dampfbootgesellschaft Wädenswil» seine Jungfernfahrt auf dem Zürichsee.
Aussenrenovation der reformierten Kirche. Die Holzschindeln des Turmhelms werden durch Kupferschindeln ersetzt. Die Firma Rüetschi in Aarau giesst die gesprungene Betglocke um.
Das Elektrizitätswerk Waldhalde an der Sihl nimmt am 11. November den Betrieb auf.
Am 24. November brennen in einigen Häusern im Dorf Wädenswil die ersten elektrischen Lampen.
Zwölf Landwirte und Mostproduzenten gründen die Obst- und Weinbaugenossenschaft (OWG), in der zu diesem Zweck erworbenen Treichlerschen Liegenschaft an der äusseren Seestrasse.
Ein Grossbrand zerstört am 6. Dezember die Tuchfabrik Treichler am Sagenbach. Das Gebäude wird nicht mehr aufgebaut.
Laut neuer Katastervermessung stehen im Juli in Wädenswil 1634 Gebäude.
25 Salondampfer «Wädenswil» vor Wädenswil. Postkarte von 1901.
1896
Am 1. Februar brennen in den Dorfstrassen die ersten elektrischen Strassenlampen.
Die X-Gesellschaft führt am 25. Februar das Festspiel «Zum Licht» auf, mit Text von J. C. Heer in Zürich und Gesang von J. C. Willi, Wädenswil. Den äusseren Anlass dazu geben das neue Elektrizitätswerk an der Sihl und die Einführung des elektrischen Lichts in Wädenswil.
Architekt August Hardegger in St. Gallen und Baumeister J. Cavallasca in Wädenswil schreiben am 14. März die Arbeiten für den Bau der katholischen Kirche zur Konkurrenz aus.
Ein neues Feuerwehrreglement führt die Feuerwehr-Ersatzsteuer ein.
Am 11. Juli kommt das neue Postgebäude (Seestrasse 105) unter Dach, am 14. November wird es eingeweiht.
Im Oktober löst sich die 1866 gegründete Speditionsgesellschaft auf.
1897
Mit der Eröffnung der Eisenbahnlinie Thalwil–Zug geht der Postkurs Wädenswil–Zug ein.
Die Gemeindeversammlung vom 20. Juni genehmigt einen Vertrag mit der Nordostbahn betreffend den Bau einer Passerelle beim «Schiffli». Sie soll den Fussgängerverkehr zwischen Bahnhofstrasse und Dampfbootlandesteg erleichtern.
Am 18. Juli wird in der katholischen Kirche Wädenswil der erste Gottesdienst gehalten.
Wädenswil wird am 20. Juli von einem heftigen Hagelwetter heimgesucht. Taubengrosse Schlossen zertrümmern Ziegeldächer und Fensterscheiben.
Am 26. Juli wird die neue Badanstalt eröffnet. Sie steht auf vier schwimmenden Eisenkasten, ist 29 Meter lang und 19 Meter breite und umfasst eine getrennte Männer- und Frauenabteilung mit je sechs geschlossenen und elf offenen Badezellen und einem Bassin.
Die Gemeindeversammlung vom 19. Dezember ermächtigt den Gemeinderat zum Verkauf des Gemeindehauses «Sonne» samt Spritzenhaus an einen Privaten, mit Kaufantritt am 1. Mai 1898. Der Garten ob dem Sekundarschulhaus, das Stall- und Remisengebäude sowie der Sonnenbrunnen bleiben Eigentum der Gemeinde.
26 Badanstalt, eröffnet am 26. Juli 1897.
27 Passerelle zwischen Bahnhofquartier und Seeplatz, gebaut 1897. Aufnahme von 1930.
1898
Das katholische Pfarrhaus ist bezugsbereit.
Sozial denkende Fabrikantenfrauen eröffnen in einer vom Seidenindustriellen Emil Gessner-Heusser zur Verfügung gestellten Liegenschaft an der Stegstrasse eine Kinderkrippe.
Die erste schweizerische Fabrik für elektrische Koch- und Heizapparate, die H. Grimm & Co. in Zürich, erwirbt die ehemalige Zwirnerei im Giessen. Seit 1900 besteht hier die Firma Elektra.
Wädenwiler Musikfreunde gründen am 14. Oktober einen Orchesterverein (heue Kammerorchester Wädenswil).
Die Gemeindeversammlung vom 18. Dezember lehnt es ab, den Friedhof abermals zu erweitern. Es soll die Verlegung aus dem Dorfgebiet geplant werden.
1899
Seit Neujahr führt die Leihkasse Wädenswil den Namen «Bank Wädenswil».
Wädenswil zählt 60 Telefonabonnenten.
Die Villa «Rosenmatt», die Architekt Albert Müller für den Seidenindustriellen Emil Gessner-Heusser erstellt hat, ist bezugsbereit.