Am Beginn eines neuen Jahrhunderts

Quelle: Wädenswil 1800 bis 1991, Publikation 1991 von Peter Ziegler

1900

Gründung des Frauenvereins Wädenswil.
Pfarrer Albert Schreiber gründet eine von der Evangelischen Landeskirche betreute Sonntagsschule.
Die Wahlurnen werden künftig bereits am Samstag von 18 bis 20 Uhr aufgestellt.
Ein Initiativkomitee unter dem Präsidium von Brauereibesitzer Fritz Weber-Lehnert erwirbt die Ruinen der Burg Wädenswil und leitet Ausgrabungen und Sicherungsmassnahmen ein.
Die Oberdorfstrasse (Rotweg-Aueren-Zugerstrasse) wird Mitte Mai dem Verkehr übergeben. Damit geht das Oberdorfquartier einer regen Bautätigkeit entgegen.
In den Fabriken werde viele weibliche Arbeitskräfte beschäftigt. Eine Anzahl hiesiger Damen beschliesst, eine Abend-Fortbildungsschule einzurichten. Fabrikarbeiterinnen sollen hier lernen können, wie man einen Haushalt führt und Handarbeiten verrichtet.
Die Gemeindeversammlung vom 18. August beschliesst, die private Quellwasserversorgungsgesellschaft käuflich zu übernehmen, um die Trinkwasserversorgung ab 1. Januar 1901 durch das gemeindeeigene Wasserwerk auf öffentlicher Grundlage zu betreiben.
Eine Aktiengesellschaft mit Jakob Treichler zum Neuhof an der Spitze übernimmt im September die Tuchfabrik Fleckenstein-Schulthess AG, über die eine Krise hereingebrochen ist.
Die «Dampfbootgesellschaft Wädenswil» löst sich auf; die Dampfboote «Wädenswil» und «Speer» werden der «Dampfschwalbengesellschaft Zürich» verkauft.
In der ehemaligen Zingglerschen Liegenschaft im Bachgaden beginnt die «Photos Aktiengesellschaft Zürich» mit der Fabrikation lichtempfindlicher und chemischer Papiere.
Auf dem Areal der 1895 abgebrannten Tuchfabrik Treichler an der Seestrasse ist ein neues Fabrikgebäude entstanden, in dem Färbermeister Hummel eine chemische Wäscherei eingerichtet hat.
Der Verschönerungsverein gibt eine Gemeindekarte heraus.
Anlässlich der Eidgenössischen Volkszählung vom 1. Dezember werden in der Gemeinde 7585 Einwohnerinnen und Einwohner sowie 873 Häuser mit 1783 Haushaltungen ermittelt.
28 Fabrik für Fotopapiere im Bachgaden, eröffnet 1900.

1901
Gründung des Seeclubs Wädenswil.
Gründung des Vereins für Volksgesundheit.
Am 8. September wird die katholische Kirche zu Ehren der Himmelfahrt Mariae geweiht.
Bau der Methodistenkappelle im Oberdorfquartier.
In der östlichen Ecke des Armenhauslandes am Plätzli wird eine Wettersäule aufgestellt, ein Geschenk von Jean Schnyder zum Morgenstern. Sie ist von der Firma W. Lambrecht in Göttingen verfertigt worden und enthält Thermometer, Barometer und Polymeter. Auf der Rückseite werden täglich die Berichte der Meteorologischen Zentrale in Zürich angeschlagen.
Militärschiessverein, Feldschützenverein und Schützengesellschaft vereinigen sich zum Schützenverein Wädenswil.
29 Rosenbergstrasse mit Methodistenkapelle.

1902
Der neu gegründete Naturheilverein Wädenswil zählt über zweihundert Mitglieder beiderlei Geschlechts.
Die Firma Elektra im Giessen hat einen elektrischen Backofen konstruiert; der Stromverbrauch ist zur Zeit aber noch hoch.
Die Gemeindeversammlung von 3. August stimmt der Korrektur der Gerbestrasse und der Kanalisation des Gerbebaches bis zum «Talgarten» zu.

1903
Seit Neujahr heisst die Gemeinde – als Folge der Rechtschreibereform – nicht mehr «Wädensweil», sondern «Wädenswil».
Gründung des Fussballclubs Wädenswil.
Gründung des Kavallerievereins Wädenswil und Umgebung.
Gemäss neuem Kirchengesetz vom 1. Januar darf der Ortspfarrer nicht mehr die reformierte Kirchenpflege präsidieren.
Als eine der ersten Gemeinden in der Schweiz alarmiert Wädenswil die Feuerwehr über das Telefon.
An der Wädenswiler Bahnhofanlage wird Kritik geübt. Die Geleiseanlagen sollten erweitert und mit gedeckten Perrons versehen werden.
Die Gemeindeversammlung beschliesst, der gemeindeeigene Landesteg beim «Engel» sei der Zürcher Dampfboot-Gesellschaft zur unentgeltlichen Benützung zu überlassen. Zusätzlich wird ein kleiner Landesteg angebracht, später «Schwalbensteg» genannt.
Die private Wasserversorgung Berg–Wädenswil wird dem Betrieb übergeben. Sie speist die Höfe Brüsch, Kleinweid, Burstel, Beichlen, Himmeri, Feld, Hänsital, Wendel, Herrlisberg, Langrüti, Widen, Oberödischwänd, Chalchtaren, Stocken, Bachgaden, Chüefer, Luggenbüel, Neubüel und Hinterrüti.
Am 8. November weiht der Abt von Einsiedeln die vier Glocken für die im Jahre 1900 fertiggestellte katholische Kirche Wädenswil.
Am 22. November wird im Sekundarschulhaus ein «Eröffnungs-Propaganda-Vortrag» für das Frauenstimmrecht gehalten. Der Vortrag ist schlecht besucht; die Herren fehlen fast ganz. «Die Zeit scheint noch nicht gekommen zu sein, Verwaltungsstellen und Beamtenposten der Frau abzutreten.»

30 Katholische Kirche: Glockenweihe von 1903.

1904
August Hausmann-Blank gründet die Firma Hausmann & Co., Sägen- und Messerfabrik in der Rietliau.
Die Schulgemeindeversammlung Langrüti beschliesst den Bau eines neuen Schulhauses.
Zimmermeister Isler tritt der Gemeinde sein Weihergebiet bei der Säge am Sagenrain ab. Die Gemeinde darf das Areal nach der Auffüllung des Weihers verkaufen.
Gründung einer Literarischen Gesellschaft. Diese setzt sich das Studium der Literatur zum Ziel und plant Theateraufführungen.
Die Sozialistische Partei verlangt je einen Sitz im Gemeinderat, in der Steuerkommission und in der Dorfschulpflege. Keiner ihrer Kandidaten erreicht aber das absolute Mehr.
Anlässlich des Seeverbandsturnfestes vom 10. Juli wird das Denkmal für Bundesrat Walther Hauser (1837-1902) eingeweiht. Die vom Bildhauer Adolf Meyer-Graf in Zollikon geschaffene Büste auf breitem Granitsockel steht im Hauserschen Garten ob der Gerbe.
Erste Weihnachtsfeier der Sonntagsschule in der Reformierten Kirche.

31 Säge am Sagenrain, abgebrochen 1905.

1905
Am 12. Februar wird ein Gemeindeverein gegründet mit dem Ziel, die stimmberechtigten Einwohner «fern von Parteiengetriebe» über öffentliche Angelegenheiten aufzuklären.
Ein Konsortium erwirbt die Liegenschaft «Freihof». Das Gebäude soll in erster Linie der Gemeinde für öffentliche Zwecke zur Verfügung gehalten werden.
Die reformierte Kirchenpflege beschliesst, den Gottesdienst am Abend des Hohen Donnerstags aufzuheben, da er nur noch schwach besucht wird.
Die Asylkommission eröffnet am 15. Mail im Haus «Fuhreck» beim Schützenhaus am Rotweg, einen von Baumeister A. Dietliker gemieteten Neubau, ein Altersheim.
Der Verschönerungsverein nimmt an der diesjährigen Generalversammlung den neuen Namen «Verschönerungs- und Verkehrsverein» an.
Gründung des katholischen Frauenvereins.
Die Gemeindeversammlung vom 28. Mai beschliesst, die Postgasse zwischen Fortunagasse und Du Lac-Strasse aufzuheben und das Land für den Erweiterungsbau des Hauses Merkur an E. Kellersberger und J. Schubiger zur Fortuna abzutreten.
Im Verlaufe des Sommers wird der Stegweiher aufgefüllt. Er lag zwischen der Seidenfabrik Gessner, der Schmiede und den Steghäusern und sammelte das Wasser des Krähbachs zum Betrieb des am Sagenrain gelegenen Sägewerks. Der Abfluss aus dem Stegweiher, der Sagenbach, wird in Beton gefasst und zugedeckt. Anstelle der abgebrochenen Sägerei entsteht ein zur Färberei Hummel & Co. gehörender Neubau.
Der Handwerker- und Gewerbeverein Wädenswil gedenkt mit einer am 8. Oktober eröffneten Gewerbeausstellung der vor 50 Jahren erfolgten Gründung. Besondere Anziehungskraft übt das auf dem Eidmattschulhausplatz rekonstruierte ehemalige Wädenswiler Gemeindewirtshaus aus.
Der Gemeinderat erteilt einem in der Gründung begriffenen Schlittschuhklub die Bewilligung, während der Wintermonate 1905/06 den Landungsplatz beim Engel für die Einrichtung und den Betrieb einer Eisbahn zu benützen.
Die Gemeindeversammlung vom 31. Dezember bewilligt den Kredit für den Bau einer Wartehalle am Seeplatz.
32 Gewerbeausstellung 1905. Nachbau des 1821 abgebrochenen Gemeindehauses.

1906
Der Einwohnerverein Wädenswil und zwei Lebensmittelgeschäfte beschliessen, um ihren Angestellten einen freien Sonntag zu verschaffen, die Verkaufsläden an Sonntagen ganz geschlossen, dafür am Samstagabend bis 21 Uhr offen zu halten.
Der Gemeinderat überträgt die Durchführung der Katastermessung dem Büro J. Sutter in Zürich, die Vermessung des Baurayons dem Geometer E. Winkler in Thalwil.
Die Kreisdirektion der SBB reicht dem Gemeinderat im März einen Situationsplan ein für die Stationserweiterung. Beabsichtigt sind Seeauffüllungen, die Verlegung der Seestrasse und zwei Erweiterungsbauten am Aufnahmegebäude (Dieses Projekt wird nicht ausgeführt.)
In den Zeitungen wird angeregt, man solle die Gemeindeversammlung durch die Urnenabstimmung ersetzen.
Die Schulsektion Langrüti weiht am Osterdienstag das neue Schulhaus ein.
Seit Frühling arbeitet die Firma Gessner in ihrem Betrieb am Samstagnachmittag nicht mehr.
Theaterfreunde vereinigen sich zur «Theatergesellschaft Wädenswil».
Seit 28. Mai befindet sich das Büro der Gemeindeverwaltung im «Freihof».
An der Kirchweih dienen der Landungsplatz beim Engel, der Landvorsprung beim Hafen vorhalb dem Jakobshof und die freien Plätze südlich und nördlich der Sust als Standort für verschiedene Karussels, Kinomatographen und Menagerien, für ein Panorama und ein Theater.
Am 30. September kann die von der Firma Th. Kuhn in Männedorf gebaute Orgel der katholischen Kirche eingeweiht werden.
Die Kinderkrippe bezieht am 1. November das neue Haus an der Etzelstrasse 6.
Die Gemeindeversammlung vom 30. Dezember bewilligt den Kredit zur Erstellung eines Feuerwehrhauses mit Kranken- und Leichenwagenremise an der Schönenbergstrasse.
Gründung des Gemischen Chors Stocken.
Gründung des Stenografenvereins Wädenswil.

1907
Gründung des Sportschützenvereins Wädenswil.
Ende Februar und anfangs März werden die alte Schmiede und einige kleinere Bauten an der Schönenbergstrasse gegenüber dem Adlerberg abgebrochen. Auf diesem Areal wird man das neue Feuerwehrhaus bauten.
Der Feuerweiher bei der «Schmiedstube» im Oberdorf wird eingedeckt.
Die Gemeinde schliesst mit G. Scheller am Mittelort einen Vertrag ab, wonach die Gemeinde auf seinem Grundstück am See den Dorfkehricht ablagern kann.
Seit den Erneuerungswahlen dieses Jahres besteht der Gemeinderat aus 13 Mitgliedern. Vorher waren es elf. Mit Otto Schweizer zum «Edelweiss» wird erstmals ein Arbeitervertreter in den Gemeinderat gewählt.
Vierzehn Schützenvereine beteiligen sich am 20. April an der Einweihung der erweiterten Schiessanlage im Appital/Steinacher.
Beim Bäcker Gund und in der Bäckerei des Einwohnervereins werden die ersten Teigknetmaschinen in Betrieb genommen.
Der Garten oberhalb des Sekundarschulhauses, der einst zum Gemeindehaus Sonne gehört hat, wird im Mail zum Pausenplatz umgestaltet und mit Kastanienbäumen bepflanzt.
Im August erwirbt die Gemeinde das Spritzenhaus mit Schlachtlokal bei der «Sonne». Die beiden Gebäude sollen noch dieses Jahr abgebrochen werden, damit hier die Schönenbergstrasse korrigiert werden kann. Der Sonnenbrunnen soll versetzt werden.
Der neu gegründete Flobertschützenverein hält am 13. Oktober hinter dem Untermosentobel ein Ehrengabenschiessen ab.
Die Molkerei Wädenswil erwirbt die Zentralmolkerei Stocker & Co. und auf den 1. November auch alle Milchgeschäfte der hiesigen Milchhändler.
33 Sonnenbrunnen und Schlachthaus, 1907.

1908
Gründung der Damenriege des Turnvereins Wädenswil.
Die bisher getrennt geführten Unternehmen Quellwasserversorgung und Gasbeleuchtung werden mit 1. Januar vereinigt und als «Gas- und Wasserwerke Wädenswil» auf Rechnung der Gemeinde betrieben.
Wädenswil ist neben Zürich und Winterthur die steuerkräftigste Gemeinde des Kantons.
Ein wöchentlicher Meerfischmarkt bildet eine Neuigkeit im Dorf und wird rege besucht.
Das neue Telefonverzeichnis weist für Wädenswil 116 Abonnenten aus.
Die X-Gesellschaft führt am 8. März in der Eidmatt das Festspiel «Im Fluge der Zeit» auf und zeigt Bilder aus Wädenswils Geschichte von 1200 bis zur Gegenwart. An das Festspiel schliesst sich ein historischer Umzug durch die Hauptstrassen des Dorfes an.
Die Gemeindeversammlung bewilligt Ende März den Baukredit für die Nordstrasse.
Am 1. April geht das Elektrizitätswerk an der Sihl in den Besitz des Kantons Zürich über.
Am 1. Juli überfliegt Graf Zeppelin mit seinem Luftschiff den Wädenswiler Berg.
Am 6. Juli wird das von Kantonsbaumeister Hermann Fietz geplante Schulhaus auf Stocken eingeweiht.
Der Veloclub Frohsinn Wädenswil fusioniert mit dem Veloclub Wädenswil.

1909
Die Gemeindeversammlung vom 31. Januar beschliesst den Bau der Schlossbergstrasse.
Am 16. März ereignet sich auf der Station Au ein Eisenbahnunglück.
Die Kirchenpflege gibt bekannt, dass vom 31. März an das Vesperläuten an Sonntagen unterbleiben wird.
Am 26. April wird mit Festgottesdienst, Kinderumzug und Jugendfest das von den Zürcher Architekten Bischoff & Weideli geplante Glärnischschulhaus mit Turnhalle eingeweiht.
Am 28. Juli ist die Korrektur der Schönenbergstrasse vollendet.
Die Schulsektion Ort weiht am 9. August ihr neues Schulhaus ein, einen Bau der Architekten Bischoff & Weideli in Zürich.
Die Gemeindeversammlung vom 31. Oktober beschliesst, im ganzen Gemeindegebiet die Katastermessung durchzuführen. Damit wird Wädenswil einer der ersten Gemeinden, die ihr Grundbuch den Bestimmungen des neuen Zivilgesetzbuches anpassen.
Mitglieder des Cäcilienvereins schliessen sich zu einem Theaterverein zusammen.
Gründung des Männerchors Langrüti.
34 Glärnischschulhaus, eingeweiht 1909.