Quelle: Wädenswil 1800 bis 1991, Publikation 1991 von Peter Ziegler
1870
Ein Initiativkomitee reicht am 5. Januar den Regierungsräten von Zürich und Schwyz ein Projekt ein für den Bau einer Eisenbahn von Wädenswil nach Einsiedeln. Der Kantonsrat erteilt am 2. März, die Bundesversammlung im Dezember, die Konzession.
Gründung des Kinderheims Bühl für geistigbehinderte Kinder.
Anlässlich der Volkszählung registriert man 5859 Einwohnerinnen und Einwohner. Davon sind 2778 Gemeindebürger und 235 Ausländer. 5715 Protestanten stehen 287 Katholiken und 47 Angehörigen anderer Bekenntnisse gegenüber. Sämtliche Einwohner sprechen deutsch. In den 771 Wohnhäusern stehen total 1305 Haushaltungen zur Verfügung.
1871
Die Gemeindeversammlung vom 15. Januar beschliesst, die Gemeinde solle fortan für den Betrieb und Unterhalt der 28 im Dorfrayon stehenden Strassenlaternen aufkommen.
Während des Deutsch-Französischen Krieges tritt die französische Bourbaki-Armee am 1. Februar auf Schweizerboden über und wird entwaffnet und interniert. Wädenswil beherbergt vom 4. Februar bis 17. März 489 Bourbakisoldaten. Als Unterkunft dient das Eidmattschulhaus, als Lazarett das Schützenhaus am Rotweg.
Ab 1. Juni verkehrt ein Pferdepostkurs Wädenswil–Schönenberg, der 1872 bis Hütten ausgedehnt wird.
Am Kirchweihmontag können die ersten fünf einarmigen Hydranten erprobt werden. Sie wurden auf Initiative des Seidenindustriellen Zinggeler bei der «Krone», beim «Hirschen», bei der «Sonne», bei der Kirche und auf dem Lehmhof erstellt und an die Wasserleitung einer privaten Gesellschaft angeschlossen.
1872
Am 19. Januar beschliesst die Sparkassa-Gesellschaft, ein «Unternehmen für die Versorgung des Dorfes mit Trinkwasser» zu gründen. Man beabsichtigt, die Mülenenquellen im Gemeindegebiet Richterswil zu erwerben.
Mit Beginn des Schuljahres 1872/73 kann der «Turnschopf» in der Eidmatt für den Turnunterricht benützt werden.
Am 10. April versinkt zwischen «Seehof» und «Seeau» ein Stück des neuerstellten Trassees der Wädenswil–Einsiedeln-Bahn im See.
Wädenswil beteiligt sich an der Subventionsanleihe der Nordostbahn-Gesellschaft unter der Bedingung, dass auch in der Au eine Bahnstation erstellt werde.
Am 9. Juni wird zwischen dem Gemeinderat und dem Eisenbahnkomitee Wädenswil–Einsiedeln ein Vertrag abgeschlossen, wonach die Gemeinde dem Komitee zur Erstellung des Bahnhofes den Gemeindeplatz beim Engel nebst der alten Gemeindehaabe, den Landungsplatz beim Seehof und das Areal des Hafens bei der Sust überlässt. Das Komitee verpflichtet sich, zwischen «Engel» und «Jakobshof» eine neue Haabe anzulegen.
19 Turnschopf in der Eidmatt, erbaut 1872. Aufnahme aus den 1950er Jahren.
1873
Am 29. Juli konstituiert sich die private Gasbeleuchtungsgesellschaft Wädenswil.
Auf Anregung von Georges Jenny und Heinrich Hochstrasser beschliesst der Arbeiterverein Wädenswil die Gründung einer Aktiengesellschaft zu Beschaffung guter und billiger Lebensmittel. Am 28. Dezember wird der «Einwohnerverein Wädenswil» Wirklichkeit.
1874
Im Februar bildet sich die X-Gesellschaft, ein Verein zur Hebung der Fasnacht. Er führt am Fasnachtsmontag im Freien das Spiel «Zirkus Renz» auf.
Ein Methodistenpfarrer hält in Wädenswil erstmals Gottesdienst.
Die Aktiengesellschaft Kadettenkorps zahlt die 74 Aktien zurück, das Korps besteht weiter.
Mit 51 Schülern wird eine Privatschule pietistischer Prägung eröffnet: die von Julius Hauser angeregte Freischule.
Am 10. September wird das von einer Aktiengesellschaft erstellte Wädenswiler Gaswerk in Betrieb genommen. Es bedient 76 Gaskonsumenten und liefert Gas für die 72 öffentlichen Strassenlaternen.
Wie in den umliegenden Gemeinden erfolgen die Wahlen künftig auch in Wädenswil durch die Urne und nicht mehr in geheimer Abstimmung.
18 Gaswerk Wädenswil, eingeweiht 1874, abgebrochen 1926. Blick von der Eintrachtstrasse gegen das Neue Eidmattschulhaus.
20 Schulhaus der 1874 eröffneten Freischule ob der Eidmatt.
1875
Am 18. September wird die linksufrige Seebahn eingeweiht und am 20. September dem Betrieb übergeben. Am Bahnhof Wädenswil stehen viele Leute, um den ersten «heranbrausenden» Zug zu empfangen.
Der Gemeinderat verlangt einen Kredit von 16 000 Franken für den Bau einer neuen Badanstalt mit je sechs verschliessbaren Zellen für Männer und für Frauen.
Gründung des Scharfschützenvereins.
21 Bahnhof Wädenswil um 1900.
1876
Das Zivilstandswesen geht im ganzen Kanton mit Neujahr von der Kirche an die politische Gemeinde über. Als Trauzimmer bestimmt Wädenswil das Sitzungszimmer des Gemeinderates im Sekundarschulhaus.
Der «Cercle français» wird mangels Mitglieder aufgelöst; das Vereinsvermögen fällt an die Waisenanstalt, die Bibliothek an den Gemeinderat.
Mit Beginn des Schuljahres 1876/77 geht die Sekundarschule Wädenswil–Schönenberg wieder zur Koedukation über. Die 1862 eingeführte Geschlechtertrennung wird aufgehoben.
Mit der Anschaffung eines Leichenwagens fällt das mühsame Tragsystem weg.
Seit dem Bahnbau können viele Bewohner des Dorfes Hauskehricht nicht mehr oder nur auf grossen Umwegen zur Deponie am Seeplatz bringen. Der Gemeinderat lässt darum jeden Samstag den Hauskehricht im Dorf einsammeln, und zwar mit ein bis zwei von Pferden gezogenen Kehrichtwagen.
Am 30. November kommt es bei Versuchsfahrten auf der Strecke der Wädenswil–Einsiedeln-Bahn zu einer Katastrophe: Die Dampflokomotive und der mit Schienen beladene Güterwagen können auf der Steilrampe zwischen Burghalden und Wädenswil nicht mehr gebremst werden. Die Lokomotive zerschellt in Wädenswil in der Nähe des Seeufers. Auf das System Wetli – eine Alternative zum Zahnrad – wird hierauf verzichtet.
22 Im Jahre 1876 schaffte Wädenswil den ersten Leichenwagen an.
1877
Am 1. Mai wird die Wädenswil–Einsiedeln-Bahn, als reine Adhäsionsbahn, dem Betrieb übergeben.
Im Armenhaus am Plätzli wird am 4. Juni eine Krankenstation mit zehn Betten eingerichtet.
1878
Am 1. Januar wird der in einem Erweiterungsbau untergebrachte Saal des Hotels Engel eingeweiht.
Am 1. Februar nimmt die als Privatunternehmen organisierte «Quellwasserversorgungs-Gesellschaft Wädenswil» die neue Druckwasserversorgung mit Quellfassung in Mülenen/Richterswil und zwei Reservoiren auf dem Bühl ob Wädenswil in Betrieb.
In Wädenswil stehen 68 öffentliche Hydranten. Die Feuerwehrmannschaft im Dorfrayon wird in deren Bedienung ausgebildet.
Durch Beschluss des Kantonsrates vom 26. Februar werden Spitzen und einige umliegende Höfe von Wädenswil abgetrennt und der Gemeinde Hirzel zugeteilt. Gleichzeitig kommen die auf dem rechten Ufer des Reidbachs gelegenen Gebäude der Siedlung Giessen, die bisher zu Richterswil gehört haben, zu Wädenswil.
Der Einwohnerverein baut im Land beim «Freihof» eine eigene Bäckerei.
1879
Gründung des Kaufmännischen Vereins Wädenswil. Jüngere Wädenswiler Kaufleute schliessen sich zum «Verein junger Kaufleute» zusammen.
Die Rechnungsprüfungskommission stellt den Antrag, der Gemeinderat solle die Gemeinderechnung künftig drucken lassen und den Stimmbürgern vor der Gemeindeversammlung zustellen.